Der Lorax – der verschwundene Hüter des Waldes

Der Lorax

Richard Panzenböck, Schauspieler, Puppenspieler und Puppenbauer, hat das 1972 erschienene Kinderbuch „The Lorax“ von Theodor Seuss Geisel alias Dr. Seuss (1904–1991) für die Bühne bearbeitet. Das Buch besitzt in den USA Kultstatus. Da es die Habgier von Wirtschaftstreibenden anprangert, blieben natürlich auch Proteste nicht aus.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

In den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters inszeniert Richard Panzenböck die Geschichte als bunte Show mit vielen kleinen, flauschigen Tieren. 70 Minuten beste Unterhaltung trotz des ernsten Themas.

Ein Junge ist mit seinem iPhone unterwegs durch eine gefährliche, unwirtliche Steppe, um den Einstler, einen einst gefeierten Erfinder und Designer, zu interviewen. Er will wissen, was damals wirklich geschah und wohin der Lorax verschwunden ist. Der exzentrische Mann hat sich in seinem Haus verbarrikadiert und ist nur dann gewillt, seine Geschichte zu erzählen, wenn der Junge sein iPhone abgibt. Als die graue Mauer verschwindet, herrschen sofort paradiesische Zustände. Überall wachsen bunte Trüffelabäume und niedliche Braunfilliwulli klettern darauf herum. Summerfische summen friedlich durch reines Wasser und sie alle singen: „Yeah, yeah, was für ein toller Tag.“

Da erscheint Einstler, ein erfolgloser Erfinder, mit seinem Fahrrad und beschließt, sich hier niederzulassen. Es gelingt ihm, aus dem bunten Tuff der Bäume einen Faden zu spinnen und einen eigenwilligen Schnauchpullover, eine Mischung aus Pullover und Schlauch zu stricken. Als zwei Influencer bei ihm auftauchen und sein Werk ins Netz stellen, ist es mit der Ruhe vorbei.

Die ständige Expansion fordert das Schlägern von immer mehr Bäumen und das bringt das ökologische Gleichgewicht durcheinander. Da erscheint der Lorax, ein kleiner oranger Gartenzwerg, und behauptet: „Ich sprech für die Bäume, denn die können’s ja nicht!” Der Einstler ist aber nicht mehr zu bremsen. Der Bau einer riesigen Fabrik zerstört die einstige Idylle dann endgültig. Was bleibt sind Schmutz und Smog, da hilft auch Dosenluft nichts mehr. Als alle Bäume abgeholzt sind, ist es aber auch mit dem großen Geschäft vorbei. Die Hoffnung liegt im letzten Samen eines Trüffelabaumes, um den sich nun unbedingt jemand kümmern muss.

Gregor Schleuning versteckt sich als bankrotter Einstler hinter einer grauen Wand, es sind wohl die Reste seiner Fabrik. Was war das doch für ein kometenhafter Aufstieg vom erfolglosen Erfinder zum angesagten Designer, der in großen Modenschauen seine eigenwilligen Kreationen präsentiert. Arthur Büscher leiht dem kleinen, orangen Lorax seine mahnende Stimme. Aaron Röll, Leyla Bischoff und Elisabeth Mackner bedienen nicht nur die wuscheligen Tiere, sie tauchen auch immer wieder als trendige Influencer auf, die mit ihren Postings die Schnauchpullover zum absoluten Verkaufshit machen. Katrin Schweiger sorgt für den passenden Sound.

Die Bücher des Dr. Seuss zeichnen sich durch eigenwillige Zeichnungen, schräge Reime und Wort- und Satzkonstruktionen aus. Die Bühnenfassung von Richard Panzenböck setzt diese Eigenheiten gekonnt in Szene und mixt sie mit dem Vokabular der heutigen Jugend. Geraldine Massing zeichnet verantwortlich für das kunterbunte Bühnenbild, von dem nach der Vernichtung der Natur nur mehr eine graue Wand und ein Rohr mit Abwässern übrig bleibt. Das Stück ist ab 10 Jahren empfohlen, doch bei der Generalprobe am 28. März 2023 zeigten sich auch die vorwiegend erwachsenen Besucher von der modernen Umsetzung des Kinderbuches begeistert.

„Der Lorax“ nach dem Buch von Dr. Seuss. Für die Bühne bearbeitet von Richard Panzenböck. Inszenierung: Richard Panzenböck. Bühne und Kostüme: Geraldine Massing. Puppenbau: Richard Panzenböck, Michaela Studeny. Musik: Katrin Schweiger. Video: Tobias Witzgall. Mit: Gregor Schleuning, Arthur Büscher, Aaron Röll, Leyla Bischoff, Elisabeth Mackner und der Erzähler-Stimme von Georg Clementi. Fotos: SLT / Tobias Witzgall

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