Ulrike M. Dierkes: Schwestermutter

Ulrike M. Dierkes | Foto: Bastei Lübbe © Ulrike M. Dierkes

Ulrike M. Dierkes | Foto: Bastei Lübbe © Ulrike M. Dierkes

Autorin: Ulrike M. Dierkes
Titel: Schwestermutter  – Ich bin ein Inzestkind
ISBN: 978-3-7325-7457-5
Verlag: Bastei Lübbe AG
Erschienen: 2019

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Klappentext:

Ulrike M. Dierkes ist einem breiten Publikum aus zahlreichen Fernsehsendungen zur Inzestproblematik bereits bekannt. Unermüdlich setzt sie sich für die Rechte von Inzestopfern ein, sie klärt auf, informiert und hilft. Doch auch sie selbst ist eine Betroffene. In diesem Buch erzählt sie ihre eigene Lebens- und Leidensgeschichte als Inzestkind, ganz persönlich und hautnah.

Ihre Geschichte ist auch die Geschichte ihrer “Schwestermutter”, die vom gemeinsamen Vater jahrelang missbraucht wurde, bis sie schließlich ein Kind aus dieser Missbrauchsbeziehung gebar. Und sie ist die Geschichte eines Netzwerks von Abhängigkeiten, Manipulationen und pädophilen Übergriffen, die der Vater jahrzehntelang erfolgreich aufrecht erhielt.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Aufmerksam wurde ich auf dieses sehr informative Buch durch Titel und Cover. Es stellt in erschütternder Weise dar, wie es einem Menschen ergeht, dessen Zeugung durch ein Verbrechen geschehen ist und dessen Existenz eigentlich „verboten“ wäre.

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Lieblosigkeit, Lügen und Täuschungen in ihrer Kindheit darzustellen, ohne dabei den Leser mit schockierenden Details zu konfrontieren.

Versagt haben alle im Umfeld ihrer Mutter, die zugleich auch ihre Schwester ist. Obwohl die Ehefrau des Vergewaltigers einen Priester eingeweiht hat, als ihre Mutter mit 7 Jahren erstmals vom Vater vergewaltigt wurde, empfahl ihr dieser unbedingt zu schweigen und zu beten, dass es „vorbei geht“. Und daran hielt sich die „streng gläubige“ und heuchlerische Frau und schwieg fortwährend.

Aber auch die Fürsorge hat zugelassen, dass ihre (Schwester)Mutter mit 16 Jahren, zwei Jahre nachdem sie ihre eigene Schwester geboren hat, ins Elternhaus zurück geschickt wurde und der Missbrauch sich weiter fortsetzte – obwohl der „Kinderschänder“ vorher deswegen bereits zwei Jahre Haft verbüßte….

Aber auch die „Frau ihres Vaters“, die eigentlich ihre Großmutter war, hat sehr viel dazu beigetragen, dass die Autorin als Kind in die Missbrauchsfamilie „als Pflegekind“ zurück kam und sogar vom Jugendamt Geld für die Pflege von Ulrike bekam. Und sie hat vor allem geholfen die Schandtaten ihres Ehemannes zu vertuschen. Anstatt ihn vor die Türe zu setzen, hat sie ihn vom Gefängnis zurückgeholt und somit erst die Fortsetzung des Missbrauchs möglich gemacht.

Obwohl der Vergewaltiger bis zu seiner Haft sehr angesehen war – teilweise von einigen Menschen sogar auch  danach noch – gehörte das „Inzestkind Ulrike“ zur Gruppe „Solcher“, mit denen andere Kinder nicht spielen durften und die später auch als Schwiegertöchter unerwünscht waren.

Auch ihre Schwestermutter lehnt sie bis heute massiv ab, weil sie die blauen Augen ihres Vaters hat und durch diese somit ständig an diese Folter erinnert wird.

Der Abhandlung, die die Autorin über ihren Weg zurück in ein gelungenes Leben beschreibt, kann nur zu einer tiefen Verneigung vor dieser enorm starken Frau führen.

Heute ist sie engagierte und erfolgreiche Obfrau eines von ihr gegründeten Vereines, der sich für Inzestopfer einsetzt und der ohne staatliche Subvention hauptsächlich von Spendengeldern lebt. Ulrike hat vor allem durch eine jahrelange erfolgreiche Therapie sich zu verteidigen und zu kämpfen gelernt.

Ein sehr gelungenes Buch, das den erfolgreichen Weg der Journalistin und Autorin Ulrike Dierkes beschreibt – ein Weg den ihre missbrauchte Mutter nicht geschafft hat. Absolut empfehlenswert – auch als Wegweiser für das Leben der Lesenden, vor allem aber ein Buch, das Menschen verändert.


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