Offener Brief an Dr. Wilfried Haslauer

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Sehr geehrter Dr. Haslauer.

Der Unmut vieler Kunst- und Kulturarbeiter:innen und Künstler:innen über die Entscheidung, die FPÖ in die Landesregierung zu holen, dürfte Ihnen nicht entgangen sein. Dies hat zum einen im Allgemeinen damit zu tun, dass es eine Front in der Kunst- und Kulturszene gegen jeglichen Rechtspopulismus in politischer Verantwortung gibt, zum anderen aber auch mit der ganz pragmatischen Entscheidung, die nun vor Ihnen liegt, wer denn das Kulturressort übernimmt. Geht man die Ressorts durch, die Ihre Partei gerne kontrollieren möchte, bleiben zwangsläufig jene übrig, die von Grünen und Neos bisher verantwortet wurden. Darunter auch das Kulturressort, in der sich die freie Kulturszene wiederfindet. Es käme einem kulturpolitischen Kahlschlag gleich, würde dieses Ressort an die FPÖ gehen.

Eine Partei, dessen Parteiobmann offen mit der autokratischen Führungsmethode Victor Orbans liebäugelt, einem Politiker, dem es nicht nur gelungen ist, die Medienfreiheit abzuschaffen, sondern auch vielen staatlich finanzierten Kultureinrichtungen den Geldhahn abzudrehen, weil sie zu zeitgenössisch und zu wenig nationalistisch agierten in ihrer Programmgestaltung. Ich erinnere auch an die Neubesetzung des Neuen Theaters, mit György Dörner und Istvan Csurka, die durch ihre antisemitische, rechtsradikale politische Einstellung bekannt waren. Die Folgen dieses Handelns ließen nicht lange auf sich warten – Theater mussten schließen, Museen und Bibliotheken kämpfen bis heute stark untersubventioniert ums Überleben, die zeitgenössische Kunst wurde zurückgedrängt in den Untergrund – und ins Ausland, wo sie erfolgreich ist. Das alles erinnert stark an die Kulturpolitik während des Nationalsozialismus, damals wurde Kultur regelrecht instrumentalisiert und für die politischen Machenschaften des Regimes missbraucht. Der NS-Staat betrieb Kunstförderung als „Politik mit Hilfe der Kunst“. Kultur erhielt eine bestimmte soziale und politische Aufgabe und wurde innerhalb der nationalsozialistischen „Erziehungsdiktatur“ als Mittel zur Gleichschaltung der Menschen eingesetzt.

All das sollten Sie in den Koalitionsverhandlungen mitbedenken, wenn es darum geht, das „Kulturland“ Salzburg vor einem Kahlschlag zu bewahren. Kunst und Kultur ist mehr als ein „Nice to have“. Menschen können nicht ohne Kunst und Kultur leben, das beweist die Geschichte und – es sind gerade Kunst und Kultur, die uns von anderen Lebewesen unterscheiden. Kunst ist ein immens wichtiger Teil ihrer Menschlichkeit. Es muss unser aller Anliegen sein, dass sie den Menschen erlebbar gemacht wird und damit tief im Menschentum verankert bleibt. Und nicht mit Füßen getreten wird. Sie haben es in der Hand. Wir bitten Sie: Entscheiden Sie richtig.

Leo & Verena Fellinger
Kulturverein Kunstbox Seekirchen

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