„Kollaboration“ – Salzburger Landestheater – Kammerspiele

Das Stück beginnt durchaus heiter, denn Richard Strauss, nach seiner eigenen Einschätzung „der größte lebende Komponist, ein Halbgott und Titan“, wird von seiner Frau nicht ernst genommen. Sein ständiges Gejammere, er müsse an der Musik in seinem Kopf noch ersticken, da es keinen Librettisten gäbe, der Hugo von Hofmannsthal gleichkäme, kann sie schon nicht mehr hören. Die erste Begegnung mit Stefan Zweig lässt Strauss Hoffnung schöpfen, seine fast kindliche Begeisterung ist grenzenlos. Doch der leicht neurotische Zweig bremst seinen Tatendrang, er müsse zuerst noch seine Biografie über Marie Antoinette fertigstellen. Die beiden Künstler besuchen sich nun gegenseitig, um am Libretto zu arbeiten. Mit Verwunderung muss Frau Strauss feststellen, dass sich in Salzburg eine junge Sekretärin um den großen Dichter bemüht, ja ihn geradezu anbetet, während dessen Frau stets in Wien weilt. Doch schon bald treten familiäre Schwierigkeiten in den Hintergrund, die Macht der Nationalsozialisten macht sich auch in Österreich immer stärker bemerkbar. Während Strauss ganz auf seinen Einfluss vertraut und sich mit den neuen Machthabern arrangiert, um seine Familie (seine Schwiegertochter ist Jüdin) zu schützen, wird Zweig immer verzweifelter: „Alles ist vergiftet, Politik ekelt mich an. Täuschung ist ihr Markenzeichen, Wahrheit ihr größter Feind.“


Axel Meinhard beeindruckt als Richard Strauss. Er verkörpert diese große Künstlerpersönlichkeit in ihrer Überheblichkeit und Arroganz, doch auch mit ihren Schwächen einfach perfekt. Souverän Ulrike Walther in der Rolle seiner Gattin Pauline, einer starken Frau, die sich weder von ihrem Mann noch von den Nazis einschüchtern lässt. Georg Clementi zeichnet Stefan Zweig als äußerst sensiblen, bedauernswerten Dichter, der die Welt nicht mehr versteht und schließlich an ihr zerbricht. An seiner Seite Anna Unterberger als seine Sekretärin Lotte Altmann, eine „stille, schlichte Seele“. Beängstigend Sebastian Fischer als geschniegelter Parteifunktionär, der nur nach Vorschrift handelt.

Claus Tröger hat dieses packende Drama als dichtes Kammerspiel sehr klar in Szene gesetzt. Schlicht und einfach das Bühnenbild (Katja Schindowski), weiße Sessel werden für jede Szene neu gruppiert und unterstreichen den sehr intimen Charakter des Stückes. Ein beeindruckender Theaterabend mit großartigen Dialogen, eine Thematik, die stets aktuell ist.

„Kollaboration“ – von Ronald Harwood, Österreichische Erstaufführung / Inszenierung: Claus Tröger /  Ausstattung: Katja Schindowski / Dramaturgie: Heiko Voss / Mit: Axel Meinhardt, Ulrike Walther, Georg Clementi, Anna Unterberger, Sebastian Fischer, Werner Friedl / Fotos: Christian Schneider


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