Wie bitte soll man….

Clementi Martenstein

Wie bitte soll man eine Rezension anlegen, wenn Deutschlands spitzeste Zunge auf der Bühne steht, ein Mann der Kolumnengeschichte geschrieben hat im deutschsprachigen Raum? Was, wenn Harald Martenstein meine Rezension auch wirklich in die Hände bekommt und auch noch liest? Und diese vielleicht auch noch an Georg Clementi weiterleitet mit den Worten: “Darf man in Österreich über einen Schreiber schreiben, ist das erlaubt?” Worauf auch der Chansonnier und Schauspieler, selbst gebürtiger Südtiroler, auch keine Antwort weiß.

Leo Fellinger

Von Leo Fellinger

Man kann gar nicht lange genug in Österreich leben, um das hier alles wirklich zu begreifen. Ein Alptraum, nein, ich werde keine Rezension schreiben, zu groß ist die Gefahr, eine Antwort darauf zu bekommen. Und jeden Tag mit mulmigem Gefühl sein Mailprogramm zu öffnen, mit der Angst, eine der Nachrichten wäre von Harald Martenstein, das ist es nicht wert. Da schreib‘ ich lieber nichts…

Andererseits, wenn man den Abend des 3. Juni (ein denkwürdiger Tag, schließlich wurde am 3. Juni 1968 Andy Warhol in New York von einer Frauenrechtlerin niedergeschossen, das tut aber nichts zur Sache), also wenn man am 3. Juni 2023 im Emailwerk Seekirchen war und den Improvisationsabend von Harald Martenstein, Georg Clementi und Ossy Pardeller miterleben durfte, muss man darüber reden, wenn nicht sogar darüber schreiben. Zu groß ist die Begeisterung des bescheidenen Rezensenten über das Gehörte.

Der Plan, den die Drei mitbrachten, war keiner. Sich gegenseitig anzuspornen, den jeweils anderen Kolumnentexte bzw. Lieder vorzutragen, die das Gegenüber noch nicht kennt, war das Ziel. Eine musikalische und literarische Reise ins Unbekannte. Für Künstler und Publikum. Das Ergebnis war mehr als großartig. Wenn Texte auf Lieder reagieren und umgekehrt, ist Spannung garantiert. Ob es nun die Kolumne über Milch und all die anderen die Gesundheit gefährdenden Lebensmittel bis zum Wasser (das man am besten aus der Kloschüssel trinken sollte), auf der Chansonnier mit einem Song antwortete, der mit den Worten  “Was haben die Leute eigentlich gemacht, bevor Ingwer gegen alles geholfen hat?” antwortete, bis zum Dialog über den Film “3 Tage in Quiberon”, in dem Clementi die Rolle der Frau Martenstein übernahm, steigerte sich der Schlagabtausch derartig, das Zeit und Raum in Vergessenheit gerieten.

Clementi und Pardeller kramten in der musikalischen Schatzkiste und holte unzählige Juwelen hervor, viele davon inspiriert durch Martensteins Kolumnen, woraus schließlich das Projekt “Zeitlieder” entstand, aber auch viele neue Kompositionen und Texte, wie immer feinsinnig den Finger auf die Wunden der Gesellschaft legend, wie z.B. “Hass macht hässlich – und Liebe macht schön”. Musiziert wurde wirklich auf höchstem Niveau, Clementis präsente Stimme begleitet durch die feinen und präzisen Gitarrenriffs von Ossy Pardeller, beides erzeugte Klangwelten, in denen man sich verlieren musste.

Nun habe ich doch was geschrieben, das mit Andy Warhol tut mir leid, ich wollte einfach nur einen kreativen Sidestep machen, macht aber nichts, außerdem überlege ich die ganze Zeit, ob ich nun – völlig inspiriert von diesem Abend – eine Schreibwerkstatt mit Harald Martenstein besuchen sollte (ein Tipp an Harald) oder Songwriting bei Georg Clementi lernen möchte? Vielleicht frage ich Ossy Pardeller wegen ein paar Gitarrenstunden….

Martenstein liest und Clementi singt Zeitlieder >

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