Ing. Ernst Müller: Der Brauch des Aperschnalzens

Das Aperschnalzen ist im Voralpenland ein alter, vorchristlicher Brauch, der das Dahinscheiden des Winters ankündigen soll. Über die Entstehung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Durch Lärm sollen die rauhen Gesellen und Geister der Finsternis und Kälte vertrieben werden. Manche Bauern wiederum glauben an einen Fruchtbarkeitsbrauch. Lautes Goaßlknallen soll die unter tiefer Schneedecke schlummernde Saat zu neuem Leben erwecken.

Im Anschluss an den Artikel findet sich die Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Rupertigauschnalzens (1954-2004) als Download. Herausgegeben von der Schnalzervereinigung Rupertiwinkel e.V. und
vom Schnalzerverein Saaldorf-Surheim e.V. im Jahre 2004.

Es gibt einen Hinweis, dass bereits 1730 in Gois/ Gemeinde Wals Siezenheim geschnalzt wurde. Urkundlich erwähnt ist, dass im Jahr 1829 wegen Ruhestörung in Laufen ein richterliches Schnalzverbot erlassen wurde. Belegt ist auch, dass zu Ehren des Erzherzoges Ludwig Viktor 3 Passen aus Siezenheim 1911 in Kleßheim geschnalzt haben, wofür es einen Golddukaten gab, der heute noch im Safe der Raika verwahrt ist.

Geschnalzt wird in Ortschaften entlang der Grenzflüsse Saalach und Salzach und zwar zwischen Weihnachten und der Fastenzeit. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Grenzen des historischen Rupertiwinkels zu. Auf dem Wiener Kongress wurden Stadt und Land Salzburg 1816 endgültig Österreich zugesprochen. Die Kornkammer des alten Erzstiftes Salzburg aber bildet seither den bayrischen Teil des Rupertiwinkels.

Die Schnalzergoaßl besteht aus einem Holzstiel und einem 3,25 Meter langen Hanfseil, das sich nach außen verjüngt und mit schwarzem Pech eingelassen wird. ___STEADY_PAYWALL___

Kräftige Burschen aus Viehhausen verstehen das Schnalzerhandwerk.

Geschnalzt wird in kleinen Gruppen, die man Passe nennt. Eine Schnalzerpasse besteht meist aus 9 Mann, die zwei Durchgänge schnalzen. Der sogenannte Aufdreher leitet das Schnalzen mit einem Ruf wie „aufdrahdi, oani, zwoa, drei dahingehts“ ein. Daraufhin steigen nacheinander die 9 Schnalzer ein, wobei es schwierig ist, den selben Rhythmus zu halten. Pro Durchgang schnalzt jeder Mann 9 oder 11 mal.

Über Erfolge können sich die Goiser Schnalzer freuen.

Einmal im Jahr treffen sich an die 1400 aktive Schnalzer zum Rupertigau – Preisschnalzen. 7 Preisrichter beurteilen nach einem ausgeklügelten Punktesystem die Leistung jeder Passe. Einer Dämonenaustreibung gleich hört sich der Generalpasch an, der den Abschluss eines jeden Preisschnalzens bildet. Das Besondere daran ist, dass alle Teilnehmer gleichzeitig schnalzen.

Die fesche Marketenterin Katharina wird von den Goisern Heini und Seppi umschwärmt.

In Salzburg wurde 1936 das erste Preisschnalzen durchgeführt. Die ersten Preise – Passensieger und lautester Schnalzer – gingen damals nach Viehhausen. Das beste Ergebnis bei einem Rupertigau – Preisschnalzen überhaupt wurde bis dato im Jahr 1986 erzielt. Die Schnalzerpasse Gois 1 hat damals von 200 möglichen Punkten 196 erhalten.

Kräftige Burschen aus Viehhausen verstehen das Schnalzerhandwerk.

Mit Stolz kann festgehalten werden, dass es Passen aus der Gemeinde Wals – Siezenheim immer wieder gelingt, das bayrisch – salzburgische Rupertigau – Preisschnalzen zu gewinnen. Es waren die Passen aus Gois und Siezenheim, sowie einmal Wals, die die begehrte Wandergoaßl erhielten.

Gruppenbild mit den erfolgreichen Schnalzerkameraden der Passe Siezenheim III.

Zur Erhaltung des Aperschnalzens wurde 1957 die Schnalzervereinigung Rupertiwinkel gegründet. Dem Verein stehen als 1. Vorstand Heinrich Waldhutter aus Thundorf und Martin Hasenöhrl aus Gois als 2. Vorstand vor. Erster Preisrichter ist Max Plößl aus Weildorf. Im Flachgau und in der Stadt Salzburg gibt es Schnalzergruppen in Anthering, Bergheim, Gois, Liefering, Loig, Maxglan, Muntigl, Siezenheim, Steindorf, Viehhausen und Wals. 1987 wurde in Loig eine Schnalzerkapelle eingeweiht und 1993 erhielten die Aperschnalzer eine Sonderbriefmarke.

Christian, Martin und Andi warten gelassen auf den Auftritt ihrer Jugendpaß
Der Kainzensepp und Michi beobachten kritisch das Geschehen.
Die Passe Wals III
Die gleichaltrigen Kameraden der Passen Gois IV, Siezenheim III und Wals III zählen zu den Besten im Rupertigau!

Der Schnalzergruppe Wals, dem größten Schnalzerverein, ist 1992 ein kleiner künstlerischer Beitrag gelungen. Das nicht mehr zeitgemäße Schnalzerbild auf Plakaten und Urkunden konnte hinsichtlich Tracht und Haltung des Aperschnalzers neu gestaltet werden (siehe Schnalzerlogo). Der Salzburger Mundartdichter Erwin Rutzinger hat in seinem Buch „Salzachkiesel“ das ganze Geschehen rund um das Aperschnalzen vortrefflich in einem Gedicht festgehalten.

Nächstes Jahr finden die Gemeindeschnalzen am 4. 2. 2001 in Wals, am 11. 2. 2001 in Maxglan und das Rupertigau – Preisschnalzen am 18. Februar 2001 in Anthering statt. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass seit Einführung des Wettkampfgedankens gutes Schnalzen den Kameraden einer Passe hohes gesellschaftliches Ansehen verleiht.

Broschüre zum Rupertigauschnalzen (Festschrift zum 50 Jahre Jubiläum 1954 – 2004) als Download (4 MB) >

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