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Foto: Hubert Mican

Die Band nimmt auf der Bühne Platz: Lothar Scherpe, Peter Herrmann und Günther Paal, auch bekannt als Gunkl. Dann begrüßt, gut gelaunt und souverän wie immer, Alfred Dorfer das Publikum.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Sein lässiges, hellblaues Shirt entschuldigt er mit einem Geburtstrauma, denn Rollkragenpullover verträgt er nun einmal nicht. Er nimmt seinen nahenden 50. Geburtstag und sein 25-jähriges Bühnenjubiläum zum Anlass, seine eigene Geschichte zu reflektieren. Was ist eigentlich aus seinen Träumen geworden, warum ist er heute kein berühmter Rockmusiker? Er warnt uns, es würde an diesem Abend hauptsächlich ums Denken gehen.

Doch gar so anstrengend ist es nicht, denn er nimmt uns mit auf eine äußerst amüsante Reise. Er beginnt mit der Schilderung seiner Jugend im Gemeindebau, es folgt die aufregende Zeit der Pubertät mit ihren ersten Alkoholexzessen. „Der erste Rausch mit ¾ Liter Ribiselwein trifft dich wie ein nasser Polster“. Während der Studienzeit in einer chaotischen Männer-WG wird er zum Frühaufsteher. „Schlafen bis elf und anschließend aufstehen, weil man zu faul zum Liegenbleiben ist.“

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Foto: Hubert Mican

Man trifft auf eine Menge bekannter Szenen, aus früheren Programmen und aus seinen Filmen, die man jedoch nicht oft genug hören und sehen kann, besonders wenn sie mit so viel Witz und Selbstironie vorgetragen werden. Ein Klassiker sind „Die heiligen drei Könige“, die zu Weihnachten gerne als youtube-Botschaft verschickt werden. Auch die Sado-Maso-Version des sentimentalen Wiegenliedes „Heitschi bumbeitschi“ „Oba Heidi, kumm peitsch mi“ schockiert mittlerweile niemanden mehr. Dorfer verspricht anfangs zwar einen Abend ohne Politik, aber ganz kann er es doch nicht lassen und versetzt gewohnt kritisch Seitenhiebe: „Was ist ein k.u.k. Kulturbeamter?“ Ganz klar: „Ka Budget und ka Ahnung!“

Montage: Robert Peres

Immer wieder fordert Dorfer das Publikum zum Mitmachen auf. Die allgemeine Begrüßungsrunde fällt zwar der Zeitnot zum Opfer, auch das lockere Herumspazieren im Raum ist nur schwer durchführbar. Dabei wollte er nur einige Stühle wegräumen, damit dann ein paar von uns keinen Stuhl mehr bekämen, und die hätten wir dann gemeinsam beschimpft und anschließend hinausgeschmissen, denn „jede Gruppe braucht ein Arschloch“. Das Deprimierende daran ist, dass es dieses Verhaltensmuster in unserer Gesellschaft leider wirklich gibt. Nach zwei Stunden werden wir mit der Aufgabe entlassen, uns zu überlegen: „Was hat uns dieser Abend gebracht?“ Doch zum Glück haben wir Österreicher den Chinesen etwas voraus, während die nur Ying und Yang haben, besitzen wir das allseits beliebte und oft strapazierte „is eh wurscht“.

Alfred Dorfer, der intelligente Satiriker und Kabarettist, der aber auch vor Kalauern nicht zurückschreckt, begeisterte mit bitterbösem Humor das Publikum. Sein neues, temporeiches Programm überzeugt aber auch durch nachdenkliche, kritische Töne. Souverän blödelt, singt und tanzt er sich durch den Abend und wirkt trotz vollem Körpereinsatz nach zwei Stunden noch genau so frisch wie zu Beginn.