Der blaue Dunst

der blaue DunstFoto: Karl Traintinger, Dorfzeitung

Er ist wieder einmal in aller Munde – der blaue Dunst. Die ewigwährende, endlose Debatte über das Rauchen wurde von der irischen Regierung neu belebt. Rauchverbot an allen öffentlichen Plätzen und an allen Arbeitsplätzen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Und so finden sie wieder einmal verstärkt statt – die Debatten. Wie man dagegen am besten zu Felde zieht. Und wie die armen, armen Nichtraucher vor den bösen, bösen Rauchern geschützt werden können.

Eines vorweg – ich bin bekennende und praktizierende Raucherin. Die Glimm-Stengel sind seit nahezu 20 Jahren ein Bestandteil meines Lebens.

Der Großteil aller Raucher versteht und akzeptiert, wenn Nichtraucher sich durch Zigarettenrauch belästigt fühlen, sich Qualm und Gestank nicht aussetzen wollen. Und im Normalfall nehmen Raucher darauf auch Rücksicht. Es ist auch völlig in Ordnung, daß über öffentliche Räume wie Ämter, Behörden, Wartesäle an Bahnhöfen, Kinosäle und Bussen Rauchverbot verhängt wurde. Kein Problem – es muß nicht immer und überall geraucht werden.

Auch die schwarzumrandeten Aufschriften, die seit einigen Monaten auf den Zigarettenpackungen prangen, stören mich nicht. Wie sich das Rauchen auf den Körper auswirkt, wissen wir Raucher besser als jeder Nichtraucher. Dazu brauchen wir keine belehrenden Sprüche auf den Packungen. Aber bitte, wenn manche Menschen meinen, dies würde Raucher helfen, sich vom blauen Dunst zu befreien, so sollen diese Aufschriften eben auf den Zigarettenpackungen stehen. Wie gesagt, es stört weder mich, noch irgendeinen Raucher oder Raucherin, die ich kenne.

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Was mich jedoch wirklich stört, ist der Umstand, daß wir Raucher immer mehr den Status von gehirnamputierten Idioten erhalten. Frei nach dem Motto: Die wissen nicht, was sie tun, und müssen vor sich selbst geschützt werden. Und das per Gesetz. An die Adresse all jener, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Menschheit vor dem Übel des blauen Dunstes zu retten: Wir Raucher wissen, was wir tun.

Rauchen ist ungesund – stimmt. Jeder Raucher weiß es, spürt es, und tut es trotzdem.

Genauso wie wir wissen, daß vieles, was wir essen ungesund ist, und wir essen es trotzdem. Und genauso, wie es Frust- und Streß-Raucher gibt, so gibt es auch Frust- und Streß-Esser. Nur mit dem Unterschied, daß Menschen, die ungesund essen, nicht gesundheitsschädlich für andere sind – könnte da einer argumentieren. Stimmt. Aber wie ist das dann bitte schön mit den Autofahrern. Jeder weiß, daß die Abgase die Umwelt belasten und gesundheitsschädlich sind – für alle. Ich wage die Behauptung aufzustellen, daß diese Abgase uns allen mehr schaden, als die immer geringer werdende Anzahl der Nikotin-Jünger.

Raucher belasten unser Gesundheitssystem mehr als Nichtraucher – ist ebenfalls ein häufiges Argument. Schon möglich. Aber wie ist das dann bitte mit all jenen, die Sport betreiben, und sich dabei unzählige Verletzungen zuziehen. Schifahren, Snowboarden, Fußball spielen, Bergsteigen, Judo, Mountainbiken, Tennis spielen, Skaten – auch dies belastet unser Gesundheitssystem.

Das Für und Wider ist zweifelsohne eine Frage des Standpunkts. Für die einen ist Tabak ein Genußmittel, für die anderen ein Suchtgift. Wie so oft, stimmt beides. Auf die Menge kommt es an. Die Einstellung unserer Gesellschaft gegenüber dem Rauchen hat sich verändert. Nichtraucher fordern verstärkt rauchfreie Zonen, die mittlerweile auch geschaffen worden sind, und in Zukunft vermutlich noch mehr werden. Das ist in Ordnung. Aber es wird auch in Zukunft Menschen geben, die dem blauen Dunst huldigen. Das steht völlig außer Zweifel. Und es ist die Entscheidung jedes einzelnen Menschen, ob er raucht oder nicht. Genauso wie es die Entscheidung jedes einzelnen Menschen ist, ob er sich gesund ernährt oder nicht, ob er Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr betreibt oder nicht. Und genau so wie es rauchfreie Zonen gibt, für jene die nicht rauchen, genau so haben Raucher-Zonen ihre Berechtigung.

Ich halte hier kein Plädoyer für das Rauchen. Jeder Mensch entscheidet diese Frage für sich selbst. Aber in die Ecke der Gesellschafts-Schädlinge und Denkunfähigen lassen wir Raucher uns auch nicht stellen.

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Dorfladen

Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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