„Jugend ohne Gott“ – Salzburger Landestheater



Elisabeth Pichler.
Jugendliche im grauen Einheitsdress stürmen auf die Bühne und prügeln sich um ein Jausenbrot. Der Lehrer ist entsetzt: „Was wird das für eine Generation? Eine harte oder nur eine rohe?“ Als er dann auch noch die „Neger“ in Schutz nimmt – denn schließlich seien das ja auch nur Menschen –, stößt er bei seinen Schülern auf völlige Ablehnung. Über Ostern begleitet er die Gruppe zu einer vormilitärischen Ausbildung in ein Zeltlager. Hier wird viel gesungen, marschiert und zur Freude der Jugendlichen auch geschossen. Diese Art der Erziehung ist eindeutig auf einen bevorstehenden Krieg ausgerichtet, selbständiges Denken und moralische Werte sind nicht mehr gefragt. Es kommt ständig zu Streitigkeiten unter den Schülern, bis schließlich die Situation eskaliert und einer ermordet aufgefunden wird.

Die Geschichte wird aus der Sicht eines humanistischen Lehrers erzählt, der im 1.Weltkrieg seinen Glauben an Gott verloren hat. Er lehnt zwar den Faschismus ab, doch aus Angst um seinen Posten passt er sich an, wenn es sein muss auch mit Lügen. Als er sich schließlich zur Wahrheit bekennt, findet er auch zurück zu Gott.

Es ist eine sehr komplexe Geschichte mit vielen handelnden Personen. So bleibt es nicht aus, dass die Rollen mehrfach besetzt sind. Im Mittelpunkt steht Christoph Wieschke als Lehrer auf Identitätssuche. Sehr stark auch Gerhard Peilstein als verständnisvoller Direktor, herrischer Feldwebel und vor allem als Julius Cäsar. Dieser philosophierende Kollege und Erotomane versucht, die ganze Schöpfung von einem geschlechtlichen Winkel aus zu betrachten. Gerold Nievelstein als Pfarrer hingegen versichert immer wieder: „Gott ist das Schrecklichste auf der Welt.“ Anna Christina Einbock überzeugt als kindliche Eva, die sehr wohl zu verführen versteht. Sehr stark auch die Schauspielschüler des Mozarteums, die sich gekonnt ins Ensemble des Salzburger Landestheaters einfügen.

Eindrucksvoll die Drehbühne, die den Wechsel vom Zeltlager zu den Bauernhäusern und vom lauschigen Wäldchen zum Gerichtssaal ermöglicht. Die Inszenierung regt dazu an, doch wieder einmal das Buch – ein großartiges Prosawerk über Verantwortung und Schuld – zu lesen, denn die Erinnerungen aus der Schulzeit sind verblasst und die Bühnenadaption eine sehr komprimierte Kurzfassung. Ödön von Horváths Roman „Jugend ohne Gott“ war sehr erfolgreich und wurde schon kurz nach seinem Erscheinen in viele Sprachen übersetzt. In Deutschland wurde das Buch im Januar 1938 auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt.

„Jugend ohne Gott“ nach einem Roman von Ödön von Horváth / Bühnenfassung von Carl Philip von Maldeghem / Inszenierung: Carl Philip von Maldeghem / Ausstattung: Christian Floeren / Dramaturgie: Bettina Oberender / Mit: Christoph Wieschke, Marco Dott, Gero Nievelstein, Gerhard Peilstein, Britta Bayer, Ulrike Walther, Anna-Sophie Fritz, Ralph Kinkel, Frederik Götz, Nikolaij Janocha, Tim Oberließen, Sebastian Fischer, Mirjana Milosavljevic, Liza Tzschirner, Anna Christina Einbock / Fotos: Jürgen Frahm


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1 Kommentar zu "„Jugend ohne Gott“ – Salzburger Landestheater"

  1. Gerne habe ich einen Besuch im Salzburger Land mit einem Besuch dieser Vorstellung wahrgenommen. Als häufige Theaterbesucherin in München kann ich nur wieder feststellen, daß Salzburg auch für einen Theaterbesuch immer lohnenswert ist. Sehr gute Vorstellung, v.a. sehr beeindruckende und vielfältige Leistung der jungen Darsteller. Auch ein tolles Bühnenbild – an diesen Abend werde ich mich noch lange gerne erinnern.

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