Reinhard Lackinger – Hygiene und Sommerfrische

Lackinger125se_bFrüher und in den 50er Jahren bedeutete Ferienzeit und Urlaub Sommerfrische, Kärnten bis Orte an der Adria… auf Krk oder in Lignano Sabbiadoro.

Von Reinhard Lackinger

Als Helmut Qualtinger die ersten Spanienurlauber mit seinem emblematischen Spruch beglückte und sagte: “Stierkämpfe seien eh nichts Besonders… aber ein Fußballspiel zwischen Kapfenberg und Simmering… ja, das ist Brutalität…” war für seinen steirischen Namensvetter Helmut Hauberger die Karriere bereits zu Ende. Hauberger, linker Flügel der KSV fiel einem dieser Spiele bzw. Schlachten, also jener Violenz in Wien zum Opfer.

Heute fliegen viele österreichische Urlauber kurzerhand ans Ende der Welt, nach Thailand, in die Südsee, nach Brasilien… verschanzen sich in einem Luxushotel mit Badezimmer… auch wenn sie von diesem Komfort oft kaum Gebrauch machen. Etliche von ihnen sind Kinder, Enkel und Urenkel von Mietern der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erbauten Zinskasernen für Fabrikarbeiter, die sich fast 100 Jahre lang mit einem Klo pro Stockwerk begnügten. Ein Badezimmer, wenn überhaupt, gab es im Erdgeschoß.

Auf unseren Reisen durch Österreich stießen wir in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch auf Gasthöfe, Pensionen und kleine Hotels mit “indischem Abort und Bad”. Beides befand sich sozusagen “jenseits des Ganges”.

Zehn Jahre später und in den 90er Jahren bemerkten wir, daß mit jenen Fremdenzimmern eine kuriose Metamorphose geschehen war. Überall konstatierten wir die architektonische Gymnastik, Klo und Bad in jenen geringen Räumlichkeiten unterzubringen. In einer Klomuschel war ein Exaustor eingebaut, der aufheulte, sobald sich jemand darauf bequem machte… Während des kurzen Aufenthaltes in jener Unterkunft wurden wir Ohrenzeugen neben -, über -, und unter uns in Beendung befindlicher Verdauung. In einem anderen Hotelzimmer kam es zu einer kleinen Überschwemmung, weil der Abguß der Duschnische falsch dimensioniert war. Österreichweit scheint bis heute die Badewanne Paradigma körperlicher Reinigung darzustellen. Einer älteren, an beiden Knien an Artrose leidenden Dame schenkten Freundinnen eine Art hydraulischen Stuhl aus Segeltuch, der sie mittels Hebel in und aus der Wanne hob. Auf unsere Frage, warum sie die gefährliche und wasservergeudende Badewanne nicht durch eine bequemere und ökonomischere Duschnische ersetzten, kriegten wir keine Antwort.

Dort, wo der Abort vom Badezimmer getrennt ist, muß der Architekt seine Gründe gehabt haben. An eventuelle auf alle Türschnallen gestempelte Mikroben vom Klo bis ins Badezimmer und zu Seife und Wasser hat er scheinbar nicht gedacht.

Oft sind wir froh, wenn Apartment, Bett, Abort und Badezimmer sauber sind. Einen im Fußboden befindlichen sogenannten Türkischen Abtritt würden wir nicht akzeptieren.

In jedem Falle ist es gut daß heutzutage jedes Hotelzimmer sein eigenes Badezimmer mit Klomuschel hat. Früher und während der schlechten Zeiten zwischen und nach den Kriegen genügte ein Abort für mehrere Nachbarfamilien. Damals war der Speisezettel auch klein, der Appetit nicht immer vollkommen erledigt und gestillt. Die Geschwindigkeit der peristaltischen Bewegungen vielfach übergewichtiger Einwohner Mitteleuropas muß sich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt wenn nicht vervierfacht haben. Wer viel in sich hineinißt, muß mit entsprechendem Output rechnen…

Damit kalkulieren auch die Hoteliers, Architekten und Ingenieure hier und im fernsten Urlaubsort. Auch muß der Wassertank heute dementsprechend groß sein. Besonders für die Klospülung… für Bad und Dusche weniger. Ein Großteil der hier in Salvador, Bahia, Brasilien an meinem kleinwinzigen Restaurant www.reg.combr.net/bistro.htm vorbeigehenden Touristen aus Mitteleuropa bleiben trotz tropischen Klimas gerne ihren alpenländischen Hygienegewohnheiten treu.

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