„Farnace“ von Antonio Vivaldi im Salzburger Landestheater

Farnace, der Sohn Mitridates, hat den Krieg gegen die vom Feldherrn Pompeo geführten Römer verloren. Er verlangt von seiner Frau Tamiri, dass sie sich selbst und den gemeinsamen Sohn tötet, bevor sie in Feindeshand fällt. Diese aber versteckt ihr Kind in einem alten Grabmal.

Von Heide-Maria Müller

Tamiris Mutter Berenice verbündet sich mit den Römern und verlangt den Tod Farnaces – dessen Vater hatte ihren Ehemann getötet und er selbst hatte ihr die Tochter Tamiri geraubt. Farnaces Schwester Selinda versucht die Familie dadurch zu retten, indem sie die beiden gegnerischen Heerführer Gilade und Aquilio in sich verliebt macht. Gilade versucht , die rachsüchtige Berenice milde zu stimmen, doch sie ist uneinsichtig in ihrem übermäßigen Hass, der sich sogar auf ihr Enkelkind bezieht- sie erklärt, dass es Vergebung nur nach vollzogener Rache geben kann. Als Tamiri Farnace gesteht, dass ihr Sohn noch lebt, ist er zuerst erleichtert, verstößt aber seine Gattin wegen deren Ungehorsams. Tamiri liefert das Kind an Berenice aus, die wiederum von Pompeo verlangt, es zu töten. Doch dieser lehnt ab und es kommt zu weiteren Verwicklungen…

Der Inhalt dieser Oper ist sehr kompliziert – im Grunde ist es ein Nachkriegsdrama, in dem gezeigt wird, wie Krieg und Machtgier selbst engste Verwandte und Familien zerstören – bis hin zu Mord und Selbstmord. Das Bühnenbild zeigt dazu passend einen Raum, der mit verrosteten Metallplatten ausgekleidet ist, die einzige „Einrichtung“ besteht aus verbogenen und schiefen Stufen und Geländern. Die Kostüme vermitteln den Eindruck von schäbiger Eleganz und Tristesse.

Die Sängerinnen Doreen Curran (Tamiri), Frances Pappas (Selinda) und Julianne Borg (Gilade) singen die teils sehr schwierigen Coloraturarien mit Bravour. Besonders hervorheben möchte ich Karolina Plicková, die mit Mut zur Hässlichkeit (rasierter Kopf) die Partie der Berenice sängerisch und schauspielerisch hervorragend meistert. Hubert Wild (Pompeo) ist erstmals in Salzburg als Countertenor zu hören (sonst Bariton), anfangs singt er etwas unsicher, doch er steigert sich mit Fortdauer des Stückes. John Zuckermans Tenor ( Farnace) ist manchesmal ein bisschen zu leise. Simon Schnorr als Aquilio ist einfach wunderbar!

Alles in Allem ein schwieriges Stück – viel Applaus für die Sänger und das hervorragende Mozarteumorchester ( mit Laute und Cembalo) unter Christian Curnyn und einige Buhs für Regie, Ausstattung und Kostüme vom Salzburger Premierenpublikum .

„Farnace“ Barockoper von Antonio Vivaldi, Premiere am 15. 5. 2011 im Salzburger Landestheater (Uraufführung 1727 in Venedig) / Musikalische Leitung: Christian Curnyn / Inszenierung: Rudolf Frey / Bühne: Hartmut Schörghofer / Kostüme: Corinna Crome / Dramaturgie: Heiko Voss / Besetzung: Farnace – John Zuckerman, Berenice – Karolina Plicková, Tamiri – Doreen Curran, Selinda – Frances Pappas, Pompeo – Hubert Wild, Gilade – Julianne Borg, Aquilio – Simon Schnorr / Fotos: Christian Schneider

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