„Nacht.Wüste.Ich“ – Die Flüge des Antoine de Saint-Exupéry

Der poetische Theaterabend – eine szenische Lesung – auf der Probebühne im Rainberg gewährt Einblick in das Leben des französischen Schriftstellers, Journalisten und begeisterten Fliegers Antoine de Saint-Exupéry. Regie führt erstmals Christoph Wieschke, der bisher als Schauspieler im Salzburger Landestheater zu bewundern war. Die Verbindung von Schauspiel, Tanz und Literatur übt einen ganz besonderen Reiz aus.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Antoine de Saint-Exupéry (1900 – 1944) war schon zu Lebzeiten ein anerkannter und erfolgreicher Autor, obwohl er sich selbst eher als nur nebenher schriftstellernden Berufspiloten sah. Sein bekanntestes Werk „Der kleine Prinz“ wurde heuer im Salzburger Marionettentheater sehr erfolgreich in Szene gesetzt.

Im feinen, dunklen Anzug betritt Antoine de Saint-Exupéry die Bühne, setzt sich an ein riesiges Klavier und rezitiert aus der „Hymne auf die Stille“: „Stille, du Musikantin der Früchte, die du die Keller, die Kammern, die Speichern bewohnst…“ Die nächste Szene zeigt die grenzenlose Faszination, die Flugzeuge bereits auf den jungen Antoine ausübten. So unterbricht er einen fröhlichen Kanon, nur um seinen Geschwistern die genaue Typenbezeichnung eines vorbeifliegenden Flugzeuges zu nennen.

Die Mutter ist von dem gefährlichen Berufswunsch ihres Sohnes nicht begeistert, für sie künden die Motorengeräusche von einem „flüsternden Tod“. Im Laufe des Abends liest sie immer wieder aus den Briefen ihres Sohnes vor, berührende Texte voll Zärtlichkeit. Die Beziehung zur Damenwelt gestaltet sich für den begeisterten Flieger nicht unproblematisch. Er heiratet zwar seine große Liebe Consuela, doch lässt er sie viel allein. Schwer enttäuscht muss sie zur Kenntnis nehmen, dass sie mit seiner Flugleidenschaft nicht konkurrieren kann.

Während Arthur Spannagel als großer Dichter gelassen, fast traumwandlerisch über die Bühne schreitet, darf Michael Del Coco als sein Freund seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Er ist für die Schilderung der Schrecken des Krieges zuständig. Elisabeth Therstappen schafft es, sich mithilfe eines großen, braunen Tuches in eine Wüste zu verwandeln, in der Antoine de Saint-Exupéry oft gelandet ist und deren Stille und Einsamkeit stets einen großen Reiz auf ihn ausgeübt hat. Stephanine Ricciardi vom Ballett-Ensemble des Salzburger Landestheater darf den Dichter und Piloten als sanfte Nacht umtanzen, bringt aber auch seine depressive Seite, die immer mehr überhandnimmt, zum Ausdruck.

Ein Abend mit wunderbaren Texten voll großherziger Gedanken, Emotionen und Weisheit, stimmungsvoll in Szene gesetzt von Christoph Wieschke. Eine durchaus gelungene Kooperation mit der Abteilung Schauspiel und Regie der Universität Mozarteum.

„Nacht.Wüste.Ich“ – Die Flüge des Antoine de Saint-Exupéry. Probebühne im Rainberg / Inszenierung, Konzept, Raum: Christoph Wieschke / Kostüme: Kerstin Muert / Choreographie: Junior Demitre, Angela Hercules-Joseph / Mit: Arthur Spannagel, Anna Christina Einbock, Michael Del Coco, Elisabeth Therstappen, Stephanine Ricciardi, Eva Just / Fotos: Christina Canaval

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