„Herr der Diebe“ – Kinder- und Jugendtheater im Schauspielhaus Salzburg

Cornelia Funkes spannendes Kinderbuch wurde von Bernadette Heidegger und Marion Hackl in einer sehr aufwendigen und flotten Inszenierung im Schauspielhaus Salzburg auf die Bühne gebracht. Für Kinder ab 8 Jahren ein wunderbares Theatererlebnis, aber auch für Eltern und Großeltern ein großer Spaß.

Von Elisabeth Pichler

Prosper (12 Jahre) und Bo (6 Jahre) sitzen im Kinderzimmer und sind sauer. Nachdem ihre Eltern gestorben sind, sollen sie nun getrennt werden. Prosper muss in ein Kinderheim, der kleine Bo darf bei seiner Tante Esther bleiben, er ist ja noch so lieb und niedlich und sicher auch noch formbar. Kein Wunder also, dass die beiden ständig wiederholen: „Wenn wir nur groß und erwachsen sein könnten.“ Während sie sich ein altes Urlaubsvideo von einer Reise mit ihren Eltern nach Venedig ansehen, entdecken sie darin Straßenkinder und beschließen, einfach durchzubrennen. In der Lagunenstadt treffen sie auf eine Kinderbande und deren geheimnisvollen Anführer, der sich „Herr der Diebe“ nennt. Sie finden Unterschlupf in einem baufälligen, alten Kino und fühlen sich richtig wohl so ganz ohne Erwachsene. Leider aber haben Onkel und Tante einen Detektiv engagiert und der ist den Ausreißern bald schon dicht auf den Fersen.

Sie sind schon ein ganz entzückendes Geschwisterpaar: der vernünftige Prosper, der sich ständig um seinen kleinen Bruder Sorgen machen muss, und der liebe, kleine Bo, der überall dabei sein will und vor keiner Gefahr zurückschreckt. Anna Katharina Frommann begeistert in der Rolle des 6-jährigen Bo. Sie schafft es mit kindlicher Gestik und Mimik, vergessen zu lassen, dass da eine doch ziemliche erwachsene junge Dame in der Latzhose steckt. Ihre Wutausbrüche und ihr Entsetzen, wenn sie ihren Bruder beim Flirten erwischt, wirken sehr überzeugend. Volker Wahl, in der Rolle des Detektivs Victor Getz, schafft es in immer neuen Verkleidungen, Spürnasen von Sherlock Holmes bis Miss Marple zu imitieren. Besonders eindrucksvoll ist seine Performance als zerknautschter, etwas trotteliger Columbo.

Die bunt gemischte Kinderbande mit der wilden Wespe (Tülin Pektas), der coolen Riccio (Isabel Berghout), die viel lieber ein Junge sein möchte, und dem etwas langsamen Mosca (Andreas Plank) agiert temperamentvoll und mit großer Spielfreude. Die Erwachsenenwelt kommt in diesem Stück gar nicht gut weg. Neben der bösartigen, herrischen Esther Hartlieb (Sandra Marina Müller) verkommt ihr armer Mann Max (Christoph Griesser) zur Witzfigur. Den Kindern machte das aber hörbar großen Spaß. Ute Hamm kann als komische Alte in der Rolle der Ida Spavento überzeugen.

Das stimmungsvolle Bühnenbild (Ragny Heiny) – teilweise übernommen aus „Der Bauer als Millionär“ – wird mit ein paar kleineren Umbauten zur Lagune von Venedig, mit ein paar Kerzen zu einer Kathedrale und mit einem glitzernden Stern zu einem alten Kinosaal. Bernadette Heidegger und Marion Hackl haben diese Inszenierung für Kinder und Jugendliche sehr ernst genommen und eine phantasievolle, spannende Version des bekannten Kinderbuches von Cornelia Funke auf die Bühne gezaubert. Der Kommentar eines jungen Zuschauers sagt alles: „Voll spannend, macht Spaß.“

„Herr der Diebe“ von Cornelia Funke, für Kinder ab 8 Jahren / Inszenierung: Bernadette Heidegger & Marion Hackel / Ausstattung: Ragna Heiny / Dramaturgie: Birgit Lindermayr /  Lichtdesign: Hubert Schwaiger / Komposition & Musik-Arrangements: Benjamin Baierlein / Mit: Stefan Wunder, Anna Katharina Frommann, Benedikt Vyplel, Tülin Pektas, Isabel Berghouit, Andreas Plank, Volker Wahl, Christoph Griesser, Benjamin Lang, Sandra Marina Müller, Ute Hamm / Fotos: Eva-Maria Griese

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