„Schöne neue Welt“ – A. Huxleys Horrorszenario in den Kammerspielen

Der 1932 erschienene dystopische Roman (eine Geschichte, die in einer fiktiven Gesellschaft spielt, die sich zum negativen entwickelt hat) schildert eine Welt, in der eigentlich jeder glücklich sein müsste, werden doch alle Wünsche und Begierden erfüllt. Doch Religion, Kunst, Liebe, freies Denken und starke, echte Emotionen sind in dieser Gesellschaft unerwünscht.

Von Elisabeth Pichler.

Die Brut- und Normungsanstalt wirkt wie eine große Gummizelle, hellgrün und sehr steril. Der Direktor erklärt einer Schar von Studenten das sogenannte Bokanowsky-Verfahren, durch welches Embryonen manipuliert werden können. Durch anschließende mentale Indoktrination der Kleinkinder werden die Menschen so geprägt, dass sie verschiedenen Kasten angehören: von Alpha Plus (sehr intelligent und daher für Führungspositionen geeignet) bis Epsilon-Minus (null Intelligenz und daher für niedrige Tätigkeiten bestimmt). Zwischenfragen der Studenten sind nicht gerne gesehen. Zustimmendes Nicken und freundliches Lächeln sind angesagt. Auffällig benimmt sich Doktor Bernard Marx, ein etwas mürrischer Außenseiter, der sträflicherweise ein Auge auf die hübsche Lenina Crown geworfen hat. Die ist überaus glücklich und zufrieden mit ihrem virtuellen Sexualleben und vor allem mit der Glücksdroge Soma. Obwohl sie die Annäherungsversuche von Marx geschmacklos findet, lässt sie sich zu einem Urlaub in eine Reservation nach New Mexico überreden, um dort endlich echte Wilde kennenzulernen.

Es ist eine bizarre Welt, in der es keine Familien gibt, keine Mütter und Väter, in der die Kinder einfach nur entkorkt werden. „Geschichte ist Quatsch“ lautet ein Leitsatz, denn die alte Welt war voller Elend und Perversionen und darüber sollte man gar nicht nachdenken. Doch John Savage, ein junger, in einer Reservation aufgewachsener Mann, ist fassungslos: „Ich brauche keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, ich will Poesie, ich will wirkliche Gefahren und Freiheit und Tugend.“

Die weißgekleideten Studenten bzw. Marionetten der „schönen neuen Welt“ fallen durch einheitliches, freundliches Grinsen auf. Anna Unterberger, als hübsche und bei allen männlichen Alphas sehr beliebte Lenina Crown, ist stets allerbester Laune und hat keine Ahnung, was der depressive und nachdenkliche Doktor Bernard Marx (Tim Oberließen) eigentlich von ihr will. Sebastian Fischer überzeugt als verwirrter John Savage, der sich in dieser kalten, gefühllosen Welt nicht zurechtfindet.

Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ ist ein fantastisches Buch, das zum Nachdenken anregt. Marco Dott ist es gelungen, diese Schreckensvision in sehr beeindruckenden Bildern auf die Bühne zu bringen. Auch der an diesem Projekt beteiligte Jugendclub des Salzburger Landestheaters stellte sich der Frage: „Wie weit sind unsere geistigen Flügel heute bereits gestutzt?“

„Schöne neue Welt“ – von Aldous Huxley, ab 12 Jahren, in den Kammerspielen des Salzburger Landestheater, ein Projekt von Schauspielensemble und Jugendclub des Salzburger Landestheaters unter der Leitung von Marco Dott / Inszenierung: Marco Dott /  Ausstattung: Manuela Weilguni / Mit: Martina Dulabic, Klara Exner, Elisabeth Ferch, Andrea Grabner, Selina Graf, Denise Huber, Christina Laubenbacher, Milena Schedle, Carina Thurner, Anna Unterberger, Ulrike Walther, Moritz Aichriedel, Elias Barzinpour, Sebastian Fischer, Lukas Nemec, Gero Nievelstein, Tim Oberließen / Fotos: Christina Canaval

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