„Alte Liebe“ – Kleines Theater

Die Bühnenfassung des Bestsellers von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder feierte als österreichische Erstaufführung am 29.9.2011 im Kleinen Theater Premiere. Susanna Szameit und Peter Malzer unterhalten als in die Jahre gekommenes Ehepaar mit ihren Problemen und Problemchen das Publikum. Ein Stück zum Mitschmunzeln.

Von Elisabeth Pichler

Harry genießt seine Pension, er pflegt und hegt den Garten, spielt Golf, genießt sein Bier und ist rundum zufrieden, denn seine Gattin Lore ist als Bibliothekarin noch berufstätig und mit der Organisation von Lesungen beschäftigt. An die Zeit nach ihrer Pensionierung denkt er nicht so gerne, denn dann könnte es zu Hause etwas ungemütlich werden. Schon jetzt macht sie ihm ständig Vorwürfe: „Du liest nicht, du interessierst dich nicht, du verblödest.“ Auch dass er sich weigert, zur Hochzeit der Tochter mit einem älteren, steinreichen Industriellen nach Leipzig zu fahren, führt zu Unstimmigkeiten. Sie fragen sich beide, was mit ihrer Tochter nur schiefgelaufen ist, denn diese Heirat ist bereits der dritte Versuch. Sie sind sich einig, dass die antiautoritäre Erziehung vielleicht doch nicht so ideal gewesen ist, sie hätten sie besser manchmal zu etwas zwingen sollen, aber sie haben sie „immer nur gelassen“. Kein Wunder, dass Gloria mit 17 Jahren nach Indien aufgebrochen ist, um dort das erste Mal zu heiraten.

Doch nicht nur diese seltsame Hochzeit bereitet ihnen Sorgen, auch mit dem Älterwerden hat vor allem Lore so ihre Probleme. Ihr Lieblingszitat ist von Philip Roth: „Das Alter ist kein Kampf, das Alter ist ein Massaker.“ Obwohl die Dialoge oft hart und bissig klingen, ist stets auch etwas von der großen Liebe und Zuneigung zu spüren, die die beiden nach all den Jahren noch immer verbindet, auch wenn er sie als „Allesbesserwisserin“ bezeichnet und sie ihm stets seine Ignoranz in Sachen Kunst und Kultur vorwirft.

Besonders interessant wird die Geschichte, wenn die beiden in Monologen preisgeben, was sie wirklich denken und fühlen. Denn wie in allen Partnerschaften und Ehen wagt man dem Partner niemals, die ganze, ungeschminkte Wahrheit zu beichten. Auf der Bühne sorgen diese dunklen Gedanken für viel Heiterkeit, denn der Wiedererkennungs-Effekt ist groß.

Ein vergnüglicher Abend, der aber auch zum Nachdenken anregt. Susanna Szameit begeistert als quirlige Bibliothekarin mit Sendungsbewusstsein, Peter Malzer als brummeliger, selbstzufriedener Pensionist. Diese Szenen einer Ehe unterhalten mit Ironie und viel Gefühl.

„Alte Liebe“ – Österreichische Erstaufführung von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder. Regie und Bühne: Markus Steinwender. Kostüme: Anne Buffetrille. Mit: Susanna Szameit und Peter Malzer. Sujetfoto: Julia Fink. Fotos: Anne Buffetrille

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