dorfzeitung _quer
die tür

Das Theater Panoptikum widmet Franz Kafka zum 125. Geburtstag sein neues Stück “Die Tür” mit szenischen Fragmenten aus seinen  posthum veröffentlichten Erzählungen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Franz Kafka,
dem meisterlichen Erzähler des phantastisch realistischen Alltags,
widmet im Toihaus das Theater Panoptikum zum 125. Geburtstag sein
neues Stück „Die Tür“.

„Kafka hat mir beigebracht, dass man die Grenzen des Wahrscheinlichen überschreiten kann. Nicht um der wirklichen Welt zu entfliehen, sondern um sie besser zu verstehen.“

Milan Kundera

Szenische Fragmente aus seinen posthum veröffentlichten Erzählungen reihen sich aneinander und spiegeln intime Momente so atmosphärisch, dass man wirklich die Luft dieses epochalen Schriftstellers zu atmen glaubt.

___STEADY_PAYWALL___

Die im Dunkeln
gehaltene Bühne wird von einer weißen Tür mit zwei Klappen
beherrscht und erfüllt in jeder Szene eine andere Funktion. Einmal
wird sie vom Türhüter bewacht, dann wieder dient sie dem Jäger
Graccus als Sarg oder sie symbolisiert die Trennung zwischen Vater
und Sohn.

Die
Schauspieler agieren wie aus einer anderen Welt, sie scheinen
Relikte aus dem jüdischen Prag zu sein. Es gelingt ihnen mit
grotesken Pantomimen, mit minimalistisch-musikalischen Einlagen eine
dichte Atmosphäre zu schaffen, die einen Sog erzeugt, dem man sich
nur schwer entziehen kann. Ein Extralob an Kostüm und Maske.

In fast allen
Erzählungen Kafkas, ist das vergebliche Streben der Figuren das
beherrschende Thema, wobei das nicht immer ganz ernst, sondern oft
durchaus mit einer gewissen Ironie dargestellt wird. Ein Beispiel
dafür ist die Türhüterparabel, in der es Martin Bermoser schafft,
vor unseren Augen zum Greise zu altern. Diese Erzählung handelt von
dem Versuch eines Mannes vom Lande, in das „Gesetz“ zu gelangen. Der
Mann erfährt von einem Türhüter, der davor steht, dass es möglich
sei, aber nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Er wartet „Tage und
Jahre“, sein ganzes Leben lang. Kurz bevor der Mann vom Lande
stirbt, erfährt er, warum in all den Jahren niemand außer ihm
Einlass verlangt hat: „Dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich
werde ihn jetzt schließen.“

Man sieht an
diesem Beispiel, dass Kafkas Texte offen und hermetisch zugleich
sind, und so ist es nicht verwunderlich, dass es Unmengen von
Interpretationsversuchen gibt.

 „Es ist das Schicksal und vielleicht auch die Größe dieses Werks, dass es alle Möglichkeiten darbietet und keine bestätigt.“

  Albert Camus

„Die Tür“ bietet 60 Minuten intensives, berührendes Theater, das Lust auf mehr Kafka und mehr Theater Panoptikum macht. 

THEATER PANOPTIKUM | TOIHAUS | PREMIERE: 18. OKTOBER 2008 TOIHAUS SALZBURG | Idee, Regie und Ausstattung: Arturas Valudskis
Mit: Martin Bermoser, Gerda Gratzer, Markus Kofler | Foto: Toihaus