„Wallenberg“ in der Alten Mälzerei der Stieglbrauerei

Die Deutsche Bühne Ungarn und die Theater(Off)ensive Salzburg bringen das Drama von Ernst Pichler über den schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, der Tausende ungarische Juden vor dem Holocaust gerettet hat, in der Inszenierung von Alex Linse zur österreichischen Erstaufführung. Die Uraufführung fand bereits am 3.Oktober 2011 in Ungarn statt.

Von Elisabeth Pichler

Raoul Wallenberg (1912 – 1947?) entstammte einer berühmten schwedischen Bankiers- und Unternehmerfamilie. Als erster Sekretär der schwedischen Gesandtschaft in Ungarn war es ihm, dank seines Diplomatenstatus und mit Unterstützung der schwedischen Regierung, möglich, Maßnahmen zur Rettung der dortigen Juden anzustreben. Nach der Eroberung von Budapest durch die Rote Armee versuchte er, mit den Sowjets Kontakt aufzunehmen, wurde jedoch gefangengenommen, verschleppt und landete schließlich in der berüchtigten Geheimdienstzentrale Lubjanka in Moskau. Dem schwedischen Gesandten in Moskau wurde mitgeteilt, dass sich Wallenberg in der Obhut der Roten Armee befinde und dass es ihm gut gehe. Doch dann verliert sich seine Spur, sein Tod ist bis heute nicht wirklich geklärt.

„Wo ist mein Sohn?“ „Wo ist Wallenberg?“ Eine Mutter und das Ensemble suchen im Chor – wie in einer griechischen Tragödie – nach Wallenberg. Während die verzweifelte Mutter ständig vertröstet wird und in Ungewissheit leben muss, weiß das Publikum bald Bescheid. Denn die große Holzkiste, die die Bühne der Alten Mälzerei – ein riesiger Dachboden mit einer beeindruckenden Holzkonstruktion – beherrscht, wird aufgeklappt und gibt den Blick frei in die Zelle des Moskauer Gefängnisses. Fast zwei Jahre wird Wallenberg hier, abgeschieden von der Außenwelt, verbringen. In kurzen Szenen werden sowohl die aussichtslosen Bemühungen um seine Freilassung als auch die undurchschaubaren Pläne von Stalin und seinem finsteren, grausamen Genossen Molotow aufgezeigt.

Andreas Peer gibt den „unheldischen Helden“ Wallenberg, der sich nicht verbiegen lässt und ein Angebot des KGB strikt ablehnt: „Ein Wallenberg tut das nicht.“ Detlef Trippel steht in den unterschiedlichsten Rollen auf der Bühne: als „Joker“ gibt er Erklärungen zu den einzelnen Szenen ab, als Mitinsasse von Wallenberg hat er mit Schuldgefühlen zu kämpfen, als jüdischer Arzt im Dienste Stalins versucht er, das Leben seiner Familie zu schützen. Alexander Mitterer fällt die undankbare Aufgabe zu, den zwei „mörderischen Clowns“ (Hitler und Stalin) Leben einzuhauchen.

Theaterschaffende aus vier Nationen haben sich zu diesem Projekt zusammengefunden und sie überzeugen mit einer homogenen Ensembleleistung. Gratulation an den Regisseur Alex Linse, dem es gelungen ist, die Alte Mälzerei in beeindruckender Weise zu bespielen. Das Stück des österreichischen Autors und Theatermanns Ernst Pichler ist anlässlich des bevorstehenden 100. Geburtstages von Raul Wallenberg entstanden, als „wichtiger Beitrag gegen das Vergessen.“

„Wallenberg“ von Ernst Pichler. Eine Koproduktion der Theater(Off)ensive Salzburg & der Deutschen Bühne Ungarn. Österreichische Erstaufführung. Regie: Alex Linse. Bühne und Kostüme: Valerie Liegl. Mit: Andreas Peer, Detlef Trippel, Ildikó Frank, Herwig Ofner, Alexander Mitterer, Andrei Hansel, Kata Lotz, Matthias Patzelt, Florin Gabriel Ionescu, Dániel Solymár, Tom Pilath.

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