Schmähtandler – Wien, Weib und Gesang

Mit Elisabeth Nelhiebel und Sigrid Gerlach-Waltenberger. Eine leere Bühne, zwei Frauen, ein Akkordeon und das Wienerlied. Das sind die einzigen Ingredienzien für einen perfekten schaurig- heiteren Abend.

Von Sonja Schiff.

Die Reise beginnt im berühmten Wiener Prater. Es begrüßt uns ein Ringlgschbüübsizza, der sich auf den abendlichen Weg macht, erneut seiner Vorliebe nachzugehen, junge Frauen zu erlegen. Die weitere Reise führt uns von Totschlag, Wasserleichen und sexuellen Obsessionen über einen zum Freund werdenden Stein, goldener Tinte und Engerl bis zum berühmten Ratz im Kanäu, dem Tod und Krüppeln am Zentralfriedhof.

Was nach klassischem Wienerlied-Abend mit morbidem Charme klang, entpuppte sich als lustvolle Erweiterung des Begriffs „Wienerlied“. Neben Klassikern wie „Ana hot imma des Bummal“ und einer beinah rockig anmutenden Version von „In da Kellagossn“ fand man sich plötzlich auch inmitten von Falcos „Jeanny“ und „Amadeus“ oder auch dem Wolferl Ambros -Song „Am Zentralfriedhof“. Erfrischend aktuell! Überraschend auch der Moment an dem Elisabeth Nelhiebel stimmgewaltig als Frau Texte singt, die von männlichen Obsessionen berichten. Da führt das Lied eines Mannes, der protzig seine Geilheit darstellen will und von Huren, Fut und Oasch singt zu geschlechtsübergreifender Erheiterung. Der wienerische Schmähtandler ist entlarvt.

Sigrid Gerlach-Waltenberger beeindruckt am Akkordeon mit Virtuosität, aber auch mit Zurückhaltung. Sie überlässt die Bühne voll und ganz der Schauspielerin und Sängerin Elisabeth Nelhiebel. Und die erobert sich diese leere Bühne mit Facettenreichtum und Stimme.
Prädikat: Sehr empfehlenswert.

Sigrid Gerlach-Waltenberger, geboren in Halle an der Saale, studierte an der Musikhochschule „Franz List“ in Weimar und am Orff-Institut des Mozarteums in Salzburg Musik. Für das Salzburger Landestheater und das Schauspielhaus Salzburg ist sie immer wieder als Bühnenmusikerin tätig und arbeitete mit dem Mozarteum-Orchester zusammen. Die Musikgruppen Libertango, das Salzburger Schrammelquartett, Corazon al Sur und das Lebeau-Trio, die Theatergruppen ARTISCHOCKEN, Theater Laetitia, Theater YBY und das Salzburger Figurentheater, sowie seit 2002 die Hernán Toledo Dance Company (Wien) gehören zu ihren Betätigungsfeldern.

Im Herbst 2007 lernte sie bei den Probenarbeiten zu Nestroys „Der Talisman“ die Schauspielerin Elisabeth Nelhiebel kennen, die in der Inszenierung von Beverly Blankenship die Salome Pockerl spielte und schon da zusammen mit der Akkordeonistin sängerische, schauspielerische und freundschaftliche Bande schmiedete.

Elisabeth Nelhiebel, gebürtige Wienerin, lebt seit 2004 in Salzburg. Sie war bis 2009 in mindestens 22 Produktionen am Salzburger Landestheater zu sehen, unter anderem als Viola in „Was Ihr wollt“, als Eve in „Der zerbrochne Krug“, als Schnitzlers „Fräulein Else“ und als Anne Frank. Jetzt ist sie freie Schauspielerin und spielt in Wilhelmshaven und in Salzburg,
Quelle: Event Information, Kleines Theater Salzburg. Foto: Kleines Theater

image_pdfimage_print

Dorfladen

1 Kommentar zu "Schmähtandler – Wien, Weib und Gesang"

  1. Rochus Gratzfeld Rochus Gratzfeld | 7. November 2011 um 14:03 |

    es war ein tolles, sinnliches erlebnis!

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.