„Außer Kontrolle“ – Theater im Wirtshaus

Erfreulich, dass der Voglwirt für diese Aufführung seine Pforten wieder öffnet. Das Publikum – der große Saal ist bis auf den letzten Platz besetzt – wartet gespannt auf den Beginn der Vorstellung, denn die turbulente Boulevardkomödie des britischen Dramatikers Ray Cooney verspricht einen unterhaltsamen Abend.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Minister Richard Willey schwänzt eine öde Parlamentsdebatte und trifft sich stattdessen lieber mit der jungen, hübschen und vor allem sehr blonden Sekretärin der Oppositionspartei zu einem Schäferstündchen im Westminster Hotel. Champagner, Kaviar und Austern stehen bereit und somit scheint einer wilden, leidenschaftlichen Affäre nichts mehr im Wege zu stehen. Als sie jedoch einen leblosen Körper auf dem Fenstersims entdecken ist es mit der Romantik vorbei. Die Polizei darf natürlich nicht verständigt werden. Für solch pikante Angelegenheiten ist der Privatsekretär zuständig, er soll sich um die Leiche kümmern und sie möglichst diskret entsorgen. Dabei gilt es jedoch einige Schwierigkeiten zu überwinden, denn ständig wird an der Tür geklopft.

Der Herr Minister, ein echter Politiker eben, ist nie um eine Ausrede verlegen, er belügt und täuscht sie alle, die gestrenge Hotelmanagerin, den eifersüchtigen Ehemann, den geldgierigen Herrn vom Zimmerservice und die liebeshungrige Krankenschwester. Ein Wunder, dass er sich bei all diesen Täuschungen selbst noch auskennt, gerät doch alles – sehr zum Vergnügen des Publikums – immer mehr „außer Kontrolle“.

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Bewundernswert wie Hermann Lechner als Minister Willey diesen zweistündigen Abend trägt. Er ist die Ruhe in Person und lässt sich auch durch das unerwartete Auftauchen seiner Frau Gemahlin nicht aus der Fassung bringen. Ihm zur Seite steht Christian Geroldinger als sein Privatsekretär, der im Laufe des Abends vom verklemmten Muttersöhnchen zum draufgängerischen Verführer wird, die Durchtriebenheit seines Chefs scheint abzufärben. Gusti Liebenwein begeistert als schlitzohrige Kellner, der sich seine Verschwiegenheit nur allzu gerne bezahlen lässt. Friedi Lebesmühlbacher tobt als cholerischer, eifersüchtiger Ehemann über die Bühne und verbreitet auf der Suche nach seiner Ehefrau Angst und Schrecken. Ulli Fißlthalers Auftritt als Ministergattin ist zwar nur kurz, dafür aber umso intensiver. Josef Kittl hat zwar wenig Text, hängt dafür aber als Leiche in absolut hinreißender Haltung im Kasten am Haken.

Die große Herausforderung bei Boulevardkomödien ist das richtige Timing. Auf Stichwort muss eine bestimmte Aktion passieren, geht eine Tür auf und die andere zu. In diesem Falle kommt noch ein nicht funktionierendes Fenster dazu, das immer im falschen Augenblick zufällt. Ein großes Kompliment an die Regie (Katharina Müller-Uri) und das gesamte Ensemble, denn es hat alles geklappt, nichts ist „außer Kontrolle“ geraten. Das Publikum war begeistert, zwei Stunden ungetrübtes Lachen und dazu eine ordentliche Jause, was will man mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass „Das Theater im Wirtshaus“ auch im nächsten Jahr im Voglwirt zu Gast sein darf.

Achtung: Zwei Zusatzvorstellungen: 3. und 4.12.2011 (www.theater-anthering.at).

„Außer Kontrolle“ – Komödie von Ray Cooney. Theater Anthering. Das Theater im Wirtshaus. Regie: Katharina Müller-Uri. Bühnenbau & Kostüme: Thomas Hutzinger, Kurt Hofer & das Ensemble, Technik: Peter Zach. Mit: Hermann Lechner, Gerhild Heißel, Gusti Liebenwein, Marina Müller, Josef Kittl, Christian Geroldinger, Friedi Lebesmühlbacher, Ulli Fißlthaler, Ilse Schernthaner. Fotos: Theater Anthering


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Dorfladen

1 Kommentar zu "„Außer Kontrolle“ – Theater im Wirtshaus"

  1. Ja! Karl – du hast ja so recht!
    Aber in den nächsten Wochen (genauer gesagt am 18., 19. und 26. November sowie am 3. + 4. Dezember – Beginn jeweils um 19.30 Uhr) sollte man schon in erster Linie wegen des Theaterstücks “Außer Kontrolle”
    zum Voglwirt pilgern! Es zahlt sich aus!
    Der legendäre Leberkas ist dann die richtige kulinarische Zugabe zur Komödie!
    Dafür, daß sie ihn wieder für uns “machen” und für vieles andere auch gebührt den Wirtsleuten
    Maria und Wolfgang Vogl ein herzliches DANKE von der Theatergruppe!

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