„Kunst oder Dreck“ – Theater im KunstQuartier

Im März 2010 hat die Abteilung Schauspiel der Universität Mozarteum ein eigenes Studiotheater im Gebäude der ehemaligen Salzburger Druckerei eröffnet. Am Freitag, 2. Dezember 2011 feierte hier ein Projekt des 3. Jahrgangs Schauspiel in Zusammenarbeit mit Austauschstudenten aus Polen und bildenden Künstlern aus Österreich Premiere. Eine bejubelte Performance mit viel Kunst, Musik, Tanz und jeder Menge „Dreck“.

Von Elisabeth Pichler

Im Programmheft wird eine „poetisch diskursive Versuchsanordnung mit Texten von Rainald Goetz, Heiner Müller und eigenen Worten“ angekündigt, ein Stück „über Macht und Ohnmacht von Theater/Kunst in der Auseinandersetzung mit Katastrophen unserer Zeit“. Klingt etwas sperrig, aber auch herausfordernd. Überraschend unterhaltsam und witzig ist jedoch dieser Abend, der die Auswüchse des Kunstbetriebes aufzeigt.

Die Kunstwerke, die auf der Bühne ausgestellt sind, weiße Flächen und weiße Styroporkisten, überzeugen die Besucher, die gelangweilt herumschlendern, nicht. Sie sind der Meinung: „Ein bisschen viel Kunst hier“, meinen aber wohl: „Soll das alles sein?“ Dem soll abgeholfen werden. Sie beginnen, sich selbst zu Kunstwerken hochzustilisieren. Sie klettern auf den nichtssagenden Skulpturen herum, bemalen erst die Wände, dann sich gegenseitig, übergießen sich mit Wasser und Farben und stellen erotische Szenen nach. Immer wieder wenden sie sich ratsuchend ans Publikum: „Meinen Sie, so geht’s? So geht’s doch, oder?“ Es entstehen beeindruckende Bilder und menschliche Skulpturen.

Diese künstlerischen Betätigungen gehen jedoch nicht ohne Frustrationen ab und so dürfen die Möchtegernkünstler immer wieder lautstark ihrem Ärger Luft machen. Die Harmoniesüchtige versteht die Welt nicht mehr, fordert doch der Nihilist ständig Streit, Hass, Ablehnung ein und sehnt sich nach dem „Nicht-Nein“. Einig sind sich alle nur, wenn es darum geht, wilde Partys zu feiern, die schlussendlich in einer wahren Orgie enden.

Geschickt gemixte Textcollagen, mitreißende, wenn auch manchmal ohrenbetäubende Musik, ekstatische Tänze, wilde Gesänge und Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich bis zum letzten verausgaben, prägen diesen mitreißend frischen, experimentellen Theaterabend. Die Bühne gleicht schließlich einem Schlachtfeld, doch selbst das Aufwischen des nassen Bodens wird zur Performance. Anfangs wurde festgehalten, dass ein wirklich guter Theaterabend nur eine Stunde und dreißig Minuten zu dauern hat. Diese Vorgabe wurde exakt eingehalten.

„Kunst oder Dreck“ – poetisch diskursive Versuchsanordnung mit Texten von Rainald Goetz, Heiner Müller und eigenen Worten. Regie/Ausstattung: Susanne Truckenbrodt. Musik: Markus Götze, Daniel Dorsch. Choreographische Mitarbeit: Mirjam Klebel. Mit: Anna-Sophie Fritz, Frederik Götz, Mirjana Milosavljevic, Artur Spannagel, Elisabeth Therstappen, Liza Tzschirner, Jula Zangger, Piotr Zakrzewski.

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