dorfzeitung _quer

Diese Fotoserie baut auf zwei zentralen Konflikten auf. Der eine ist die Auseinandersetzung mit dem Fotografieren an sich selbst im Bezug auf die Wirkung auf die Umgebung, der andere behandelt die Integration von Tracht im Alltag, besser formuliert in der Gesellschaft. Für mich waren die Beobachtungen während des Fotografierens äußerst interessant, wie sich Leute abwenden, andere neugierig zusehen und wieder andere scheinbar unbedingt am Foto sein wollen. Aus den Reaktionen läßt sich schließen, dass der Prozess des Fotografierens bei jedem Menschen eine unterbewusste Gesinnung zu Tage fördert.

Interessant waren auch die Reaktionen der Gesellschaft auf die Modelle in Tracht, diese Personen, die sich scheinbar nicht dem allgemein gültigen Gesellschaftsbild, in dem Mode überaus prägend ist, anpassen. Durch das Auftreten mit Tracht im Alltag werden sie nicht nur einer Gruppierung zugewiesen, man beäugelt und gliedert sie aus der Gesellschaft ein Stück weit aus.

Beim Betrachten der Bilder sieht man sich mit der Frage konfrontiert, ob diese Person in diese Szenerie passt, was sie da eigentlich – und vor allem warum in Tracht – macht, ob diese Wirklichkeit zutrifft. Die Situationen wurden nach tatsächlichen Begebenheiten inszeniert. Formal gesehen würde man die Fotos wohl der Kategorie Environmental Portraits zuweisen, dies triff t die Thematik an sich recht gut, nur sind die Modelle eben nicht in eine plausible, sondern verwirrende Umgebung integriert.  (Martin Mühlbacher)