„Unser Mann in Brüssel“ – Klamauk auf höchster politischer Ebene

Nun darf auch im Schauspielhaus Salzburg gelacht werden, denn seit 13.12.2011 steht eine Farce von Edward Taylor auf dem Programm, die „unsere“ Politiker in Brüssel aufs Korn nimmt. Warum nur kommen uns all ihre Probleme so bekannt vor? Ähnlichkeiten mit lebenden Personen scheinen nicht zufällig, sondern absichtlich zu sein.

Von Elisabeth Pichler.

Sir Clive Partridge hat das Standard-Ei, den Butterberg und den Milchsee der Europäischen Union voll im Griff. Kein Wunder also, dass er auf eine Beförderung hofft, der Titel des Kommissionspräsidenten ist greifbar nahe, er muss nur noch einen guten Eindruck bei Jacques Berri, einem puritanischen Belgier, hinterlassen. Da in Brüssel kein Hotelzimmer mehr zu bekommen war, wird Sir Clive privat in einem leerstehenden Appartement, gleich gegenüber der Botschaft, untergebracht. In dieser nervtötend blumig tapezierten Wohnung erwartet nun Sir Clive, gemeinsam mit dem dritten Sekretär der britischen Botschaft, den hohen Besuch.  Doch verschwundene Koffer, ein defekter Boiler, eine eifersüchtige Geliebte, eine ahnungslose Ehefrau, eine geheimnisvolle Fremde und vor allem ein allesfressender Müllschlucker sorgen für die in einer Verwechslungskomödie obligaten Turbulenzen.

Antony Connor versteht es als Sir Clive, sogar noch in einer lächerlichen Unterhose eine gewisse Autorität auszustrahlen. Ein aalglatter Karrierist eben, der nie um eine Ausrede verlegen ist und bei dem Korruption, Selbstbedienung und Erpressung zum Alltag gehören. An seiner Seite glänzt Albert Friedl als unbedarfter, völlig überforderter Botschaftssekretär. Elke Hartmann, die esoterisch angehauchte Lady Partridge, tröstet sich mit einer oder zwei Sherry-Flaschen und bekommt von dem Wirbel, der rund um sie herrscht, nur wenig mit. Katharina Pizzera hat es als naive Geliebte des Saubermanns nicht leicht, doch in einer Wohnung mit sechs Türen und einem Balkon findet sich immer ein Versteck. Zum Finale erscheint Olaf Salzer als sittenstrenger Kommissionspräsident, der mit seinem Lebensmotto „Abstinenz statt Dekadenz“ auch seine Probleme hat.

Markus Bartl hat diese rasante Verwechslungskomödie mit der nötigen Genauigkeit, die eine Tür-auf-Tür-zu-Komödie verlangt, in Szene gesetzt. Eine herrlich turbulente Farce, ein Abend, an dem man sich über Politiker und Diplomaten nicht zu ärgern braucht, sie sorgen diesmal mit all ihrer Lächerlichkeit für ein herrliches Theater-Vergnügen.

„Unser Mann in Brüssel“ – Alles in Butter (A rise in the market). Eine Farce von Edward Taylor. Ins Deutsche übertragen von Horst Willems. Regie: Markus Bartl. Ausstattung: Philipp Kiefer. Mit: Antony Connor, Elke Hartmann, Albert Friedl, Thomas Enzi, Katharina Pizzera, Sophie Hichert, Olaf Salzer. Fotos: Eva-Marie Griese

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