„Court Miracles“ – eine Symbiose von Krieg und Zirkus

Die junge französische Gruppe Le Boustrophédon verarbeitet in dieser Performance Eindrücke, die sie bei einem Einsatz von „Clowns ohne Grenzen“ in einem Krisengebiet gewonnen hat. Eine zutiefst beeindruckende Vorstellung, laut Winterfest-Gründer Georg Daxner „vielleicht das wertvollste Stück“, das je bei seinem Festival gezeigt wurde.

Von Elisabeth Pichler.

Die Ratten fühlen sich sichtlich wohl in den Lagerbaracken, dieser provisorischen Unterkunft für Soldaten, Sanitäter und Wärter. Eigentlich möchte man wegschauen, wenn die Verwundeten hereingetragen werden, doch die kleinen Puppen, die sie hereinkarren, üben eine große Faszination aus und so kann man den Blick nicht abwenden. Ist es erlaubt zu lachen, wenn sich zwei Einarmige verzweifelt bemühen, eine Zigarette zu drehen oder eine Zeitung zu lesen? Die Tragik des Geschehens wird jedoch stets durch die Puppen gemildert und schon bald unterhält man sich köstlich, wenn man zusieht, wie geschickt diese Künstler mit nur einem Arm jonglieren und gleichzeitig – mit welchem Arm eigentlich? – eine Puppe bewegen. Diese Figuren, halb Mensch, halb Puppe, begeistern mit skurriler Akrobatik und makabren Scherzen. Besonders der kleine böse Wicht, der ständig mit Knallkörpern spielt und nur Unsinn im Kopf hat, lässt den tristen Hintergrund immer wieder vergessen. Ein Höhepunkt ist sicherlich die halsbrecherische Rollschuhnummer, da darf so richtig herzhaft gelacht werden, bevor der Bombenalarm die fröhliche Stimmung wieder etwas dämpft.

Die junge Artisten (Ruth Steinthal,  Loic Apard, Johanna Ehlert und Matthieu Siefridt) boten an diesem Abend eine ganz besondere Variante des „Cirque Nouveau“, ein Stück mit schwarzem Humor, ausdrucksstarker Komik und artistischen Höchstleistungen. Doch vor allem verfolgt die Gruppe ein Anliegen: „Niemand sollte vor dem Grauen der Kriege die Augen verschließen.“

Während der gesamten Festivalzeit sind im Theaterzelt 35 Bilder von Wayne Schoenfeld, einem international ausgezeichneten Fotokünstler, Regisseur und Produzenten zahlreicher Dokumentarfilme, zu bewundern. Die faszinierenden Fotografien über den nordamerikanischen Circus der 1930er Jahre sind käuflich zu erwerben, der Erlös kommt einem Sozialprojekt zugute.

„Court Miracles“ – Le Boustrophédon. Auf der Bühne: Ruth Steinthal, Lucie Boulay, Loic Apard, Johanna Ehlert und Matthieu Siefridt. Piano und Komposition: Daniel Masson. Produktion: Thomas Marechal. Tontechnik: Julien Bordais. Das Stück ist in Zusammenarbeit von Christian Coumin (Regie), Lucie Boulay, Loic Apard, Johanna Ehlert und Matthieu Siefridt (AutorInnen) entstanden.  Foto: Andreas Kolarik, Winterfest

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1 Kommentar zu "„Court Miracles“ – eine Symbiose von Krieg und Zirkus"

  1. Verlängerung Le Boustrophédon

    Die Vorstellungen von Le Boustrophédon »Court Miracles« werden auf Grund der großen Nachfrage um 2 weitere Aufführungen verlängert!!!
    Zusätzliche Veranstaltungen an folgenden Tagen:

    · Samstag, 7. Jänner 2012 20.00 Uhr
    · Sonntag, 8. Jänner 2012 17.00 Uhr

    Le Boustrophédon ist das wertvollste Stück, das je beim Winterfest war. Das Nebeneinander von Krieg und Circus, die Kombination aus Groteske, heftigen Emotionen und bitterer Melancholie mit traumtänzerischer Leichtigkeit, Hoffnung und Trost, erntet Betroffenheit und stürmische Begeisterung. Vor allem staunen lassen die überaus lebendigen Puppen und die skurrile Akrobatik der jungen französischen Compagnie.
    »Court Miracles« stellt eine Bereicherung dar und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

    Informationen und Karten:
    http://www.winterfest.at
    Ticketline +43 662 43 34 90

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