“Imeneo” im Salzburger Landestheater

Händels Barockoper „Imeneo“ thematisiert einen zeitlosen Konflikt: Der Sieg der Vernunft über die Liebe…..

Von Heide-Maria Müller.

Der Tradition folgend, einmal jährlich eine Barockoper zur Aufführung zu bringen, hat sich das Landestheater diesmal für die eher unbekannte Oper „Imeneo“ entschieden, die eigentlich ein Kammerspiel ist und die mit nur 5 SängerInnen und einem Bühnenbild auskommt.

Der Inhalt in Kürze : Die beiden attischen Schwestern Rosmene (Kirsten Blaise) und Clomiri (Emily Righter) werden von Seeräubern entführt. Imeneo (Simon Schnorr) verkleidet sich als Frau und kann die beiden befreien, nachdem er die Piraten getötet hat. Als Belohnung verlangt er von Argenio (Marcell Bakonyi), dem Vater der Mädchen, die Hand Rosmenes. Doch diese ist unsterblich in Tirinto (Frances Pappas) verliebt. Tirinto versucht Rosmene davon zu überzeugen, ihrem Herzen zu folgen, doch Argenio und Imeneo beharren darauf, dass sie aus Pflichtgefühl und Dankbarkeit ihren Retter
heiraten muss. Clomiri wiederum gesteht Imeneo ihre Liebe und wird von diesem zurückgewiesen.

Dieser Konflikt zwischen Liebe und Pflicht zieht sich noch über weitere zwei Akte hin, aufgelockert nur durch die Anwesenheit eines mit phantasievollen Kopfbedeckungen (Blumen, Farne, Vogelnester samt Ei, Häuptlingsfedern, usw.) bestückten Chores. Rosmene flieht in den Wahnsinn, um ihre Entscheidung für Imeneo irgendwie rechtfertigen zu können („die edle Seele folgt der Vernunft und beugt sich nicht ihrem Verlangen…“). Vielleicht weil diese Geschichte in unserem Kulturkreis nicht mehr sehr wahrscheinlich ist, hat sich die Regie (Nina Kühner) etwas Aktuelleres einfallen lassen: Argenio zeigt eindeutige inzestuöse Neigungen und wird deshalb am Ende des Stückes von seiner Tochter Clomiri erstochen.

Mitreißende Musik, besonders die Ouvertüre und einige Arien (Mozarteumorchester unter der Leitung von Matthew Halls), schwaches Libretto (Silvio Stampiglia 1723) mit häufigen Textwiederholungen. Alle Sänger bzw. Sängerinnen waren sowohl gesanglich als auch schauspielerisch sehr gut. Ein stimmungsvolles Bühnenbild (Hanna Zimmermann) und wie schon erwähnt die phantasievollen Kostüme (Claudia Caséra) des übrigens hervorragenden Chores trösten einen über die Schwächen des Stückes hinweg.
Am Ende wurden alle Protagonisten mit freundlichem Applaus belohnt!

„Imeneo“ Dramma per musica in tre atti von Georg Friedrich Händel / Première im Salzburger Landestheater am 5.2.2012 (Uraufführung 1740 in London) / Fotos: Christina Canaval

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