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Herrlich: Weißwürste und ein Kümmelbraten

Der Mensch ist ein Allesfresser. Zu seinen bevorzugten Lebensmitteln, obwohl dieser Ausdruck im Zuge der industrialisierten Nahrung immer unschärfer wird, gehört das Schweinefleisch. Es gibt Gegenden, da verbietet die Religion den Schweinefleischverzehr, in drei Vierteln der Welt schaut es aber ganz anders aus.

Von Karl Traintinger (Fotos + Text)

So verzehrte der Österreicher 2007 im Schnitt 66 kg, dicht gefolgt von den Serben mit 65 kg und Spanien mit 62 kg. (Info: Wikipedia). Der durchschnittliche Schweinefleischverzehr des Weltenbürgers liegt bei etwa 15 kg pro Jahr.

Basis dieses so beliebeten Lebensmittels ist das Hausschwein. Um den großen Fleischhunger einigermassen bedienen zu können, wurde die Mast auf Wachtumsgeschwindigkeit, das heißt möglichst hohe Tageszunahmen und große Fleischausbeute optimiert. Gesundheitliche Probleme werden bis zu einem gewissen Grad toleriert, man kann ja mit prophylaktischen Medikamentengaben einigermassen gegensteuern. Alt werden die modernen Schweine sowieso nicht, mit etwa 5-6 Monaten ist alles vorbei.

Ich weiß nicht, ob es für die Tiere tröstlich ist, dass es bei ihnen fast keine Krebserkrankungen gibt. Das liegt daran, dass sie nicht alt genug werden und zumeist bereits im Kindesalter geschlachtet werden. Tierschutz ist bei der modernen Schweinehaltung nicht immer das erstrangige Thema, eher schon die Gewinnspanne. Unter diesen Vorgaben ist es auch nicht ganz einfach zu wirtschaften, darf doch das Fleisch nichts oder fast nichts kosten, wenn man die diversen Lockangebote der Supermärkte betrachtet. Und der Konsument kauft gerne billig, der Österreicher ist quasi der Schnäppchenkaiser schlechthin. Zudem ist manches, das die Jungbauern in Landwirtschaftsschulen lernen, eher kritisch zu hinterfragen.

Scheinheilig wird dann bei uns über Tierschutzgesetze diskutiert, wenn ich aktuell nur an die Kastenstände von Zuchtsauen denke. Diese Haltungsform, bei der die Sauen für einige Wochen in einem Eisenkäfig gehalten werden, soll ja verboten werden. Angeblich dient sie dem Schutz der neugeborenen Ferkel. Naja, irgendwie hängt das auch mit dem kleinen Platzangebot zusammen, dass den Tieren zugestanden wird.  Soweit so gut und schlecht.

Der Import von Schweinefleisch aus Ländern, die keinerlei Tierschutz pflegen, ist aber zumeist überhaupt kein Problem und den tiefgefrorenen vorpanierten Fertigschnitzeln oder Burgern zum Sonderpreis sieht man es auch nicht an, wie die Tiere gehalten wurden. Und der freie Handel von überall nach überall ist ohnehin das goldene Kalb der EU, koste es, was es wolle. Unsere Gesetze werden es schon richten, dass alles passt; genauer möchten es viele Konsumenten gar nicht wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und wie sie produziert wurden.

Etwas besser als viele konventionell gehaltene Schweine haben es die Biosauen. Dort wird das Platzangebot streng kontrolliert, die Haltung allgemein und auch das Futter. Man kann davon ausgehen, dass es den Tieren, so lange sie gelebt haben, etwas besser gegangen ist. Allen gemeinsam ist der letzte Weg, er endet im Schlachthof.

In der kurzen Bildergeschichte möchte ich den Weg von 2 Schweinen, die ich an jenem Morgen noch lebend gesehen habe, aufzeigen. Vielleicht denkt manch Verbraucher von Schweinefleisch daran, wenn er achtlos das letzte Stückchen Sonntagsbraten zum Mist wirft oder die von Fett durchzogenen Stücke großzügig im Müll entsorgt oder das Grillwürstchen, das niemand mehr mag, zum Abfall gibt. Fakt ist, für jedes noch so kleine Stück Fleisch musste ein Tier sterben.  Wir sollten darüber nachdenken, ob jeden Tag Fleisch auf dem Teller sein muss und wir müssen beim Einkauf hinterfragen, woher das Fleisch kommt und wie die Tiere gehalten wurden.