„Mohr im Hemd“ – Othello als schmackhaftes Dessert

Das Toihaus Salzburg bringt Shakespeares berühmtes Drama um Liebe, Eifersucht und Intrige mit einem Tanzpaar, einem Schauspiel-Duo und zwei Musikern in 60 Minuten auf die Bühne, ohne dabei wichtige Details der doch sehr komplexen Handlung auszulassen. Eine unkonventionelle, äußerst amüsante Adaption der großen Tragödie.

Von Elisabeth Pichler.

Im Foyer stehen zwei Papierboote bereit, um Kurs auf Zypern zu nehmen, während an den Wänden das Meer – dank Videoeinspielungen – bedrohlich tost. Auf der Bühne sind Hochzeitsvorbereitungen im Gange. Während eine nervöse Desdemona verzweifelt ihren Schleier sucht, bügelt ihre Zofe das Hochzeitskleid auf. Diese lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, sie hat genügend Zeit, dem Publikum die Hintergründe dieser „Skandalhochzeit“ zu schildern und mit Hilfe von Spielzeug-Spiralen all die anderen Personen, die zwar wichtig sind, aber leider nicht auftreten werden, vorzustellen. Was folgt ist bekannt: Hochzeit, Intrige, Eifersucht, Mord. Immer öfter verschwinden die Grenzen zwischen den Rollen und den realen Personen, so wird schließlich aus Desdemona Pascale, aus Othello Felipe, aus Jago Arturas und aus Emilia Susanne.

Susanne Lipinski als Emilia und Arturas Valudskis als Jago übernehmen in dieser Performance den schauspielerischen Part. Als starke Frau kann sie ihrem bösartigen Mann, der ständig bedrohlich über die Bühne schleicht, durchaus Paroli bieten, sein strenges „Geh bügeln!“ überhört sie geflissentlich. Sie sorgt auch für einige Häppchen Originaltext und ärgert sich über ihre Kollegen, die ständig in ihre Muttersprache verfallen. „Lernt’s amoi Deutsch, in Österreich spricht ma Deutsch.“ Für die tänzerischen Sequenzen sind Pascale Staudenbauer und Felipe Salazar Hidalgo zuständig. Als zarte Desdemona, im roten Hängerchen, mit weißen Spitzenstrümpfen, umtänzelt sie verführerisch ihren Othello, doch aus dem Liebesreigen wird schließlich eine Todestanz.

Das Toihaus Salzburg ist bekannt für seine witzig-spritzigen Spakespeare-Improvisationen, die stets ein Garant für beste Unterhaltung sind. Auch diesmal war das Publikum von dieser bunten Mischung aus Schauspiel und Tanz begeistert. Für die stimmige Begleitmusik sowie den Klangteppich des tosenden Meeres zeichnen in bewährter Form Hüseyin Evirgen und Herbert Pascher verantwortlich.

„Mohr im Hemd“ – frei nach William Shakespeares „Othello“. Bühne/Kostüme: Irene Edenhofer-Welzl. Lichtdesign: Arian Andiel. Technik: Robert Schmidjell. Choreografische Begleitung: Cornelia Böhnisch. Musik: Hüseyin Evirgen, Herbert Pascher. Künstlerische Leitung: Myrto Dimitriadou. Mit: Arturas Valudskis, Susanne Lipinski, Pascale Staudenbauer, Felipe Salazar Hidalgo.

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