„Unschuld“ von Dea Loher im KunstQuartier

 

Die Abschlussproduktion des 4. Jahrgangs der Abteilung Schauspiel und Regie der Universität Mozarteum Salzburg feierte am 26. Mai 2012 Premiere. In diesem tragikomischen Gesellschaftspanorama sehnen sich zehn Menschen nach Unschuld und Vergebung, wobei Tod und Selbstmord stets präsent sind.

Von Elisabeth Pichler.

Zehn Autofahrer sind erzürnt darüber, dass sich ein Selbstmörder, der mitten im Berufsverkehr von einer Autobahnbrücke springen will, so viel Zeit lässt. Immer wieder brüllen sie „Schande!“ und sind erleichtert, als er endlich springt. Zwei illegale schwarze Immigranten fühlen sich schuldig, da sie einer Ertrinkenden nicht zu Hilfe gekommen sind. Besonders schuldig aber fühlt sich Frau Habersatt, die Mutter eines Amokläufers. Sie sucht die Eltern der Opfer auf und bittet um Vergebung. An tragischen Schicksalen mangelt es in diesem Stück nicht. Frau Zucker, die an Diabetes leidet, wird ein Bein amputiert und so zieht sie zu ihrer Tochter, die mit ihrem arbeitslosen Mann in einer Ein-Zimmer-Wohnung haust. Als dieser endlich einen Job als Leichenwäscher bekommt, entwickelt er eine ganz spezielle Vorliebe für seine Arbeit und bringt die Urnen der namenlosen Toten mit zu sich nach Hause. Eine alternde Philosophin hasst ihren emotionslosen Mann und schlägt ständig auf ihn ein. Am zufriedensten scheint noch die blinde Stripperin zu sein, vielleicht ist es wirklich besser, nicht alles mitansehen zu müssen.

Die vielen kleinen Szenen geben den jungen Darstellern die Möglichkeit, sich ganz individuell einzubringen, und sie schaffen das mit großer Wandlungsfähigkeit und vollem Körpereinsatz. Die bunten, phantasievollen Kostüme geben dem Spiel einen fast varietéhaften Charakter. Eine große Kippbühne verstärkt das Gefühl der Unsicherheit und lässt all diese kaputten, vom Leben gebeutelten Figuren immer wieder aus dem Gleichgewicht geraten und durcheinander purzeln.

Dea Loher, geboren 1964 in Traunstein, lebt als Autorin in Berlin und hat für ihre Theaterstücke bereits zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Als politische Autorin beschäftigt sie sich mit den zentralen Fragen unserer Zeit. Schirin Khodadadian hat es geschafft, das etwas makabre Stück mit dem nötigen ironischen Unterton auf die Bühne zu bringen. Viel Beifall für die jungen Damen und Herren und das Leading Team.

„Unschuld“ – Dea Loher. Abschlussproduktion des 4. Jahrgangs der Abteilung Schauspiel und Regie im Mozarteum.. Regie: Schirin Khodadadian. Bühne/Kostüme: Gabriela Neubauer. Musik: Katrin Vellrath. Mit: Ralph Kinkel, Nikolaij Janocha. Mirjana Milosavljevic, Anna-Sophie Fritz, Michael Del Coco, Elisabeth Therstappen, Frederik Götz, Liza Tzschirner, Jula Zangger, Artur Spannagel. Foto: Mozarteum.

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