„Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ – die steile Karriere eines Charmeurs

Thomas Manns 1954 erschienener, fragmentarischer Schelmenroman zählt zu den populärsten Büchern des Autors. Volkmar Kamm hat das Werk, in dem Skrupellosigkeit und körperliche Schönheit über das Wahre und Gute siegen, für die Bühne bearbeitet und selbst in Szene gesetzt. Premiere des turbulenten und episodenreichen Stückes war am 27. September 2012 in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters.

Von Elisabeth Pichler.

Strotzend vor Selbstbewusstsein präsentiert sich Felix Krull dem Publikum und verspricht eine aktuelle Biografie. Kurz darauf steht er bei der Musterung nackt vor einem Militärarzt. Diesen nervt er mit „hemmungsloser Redeweise“ und eigenartigen Wutausbrüchen. Als untauglich entlassen, kann er sich nun ganz seiner Karriere widmen. Als Liftboy in einem Pariser Hotel verliert er zwar seinen Vornamen, doch als Armand steigt er zum Toyboy einer reichen, reiferen Frau auf. Die findet es äußerst anregend, diesen wunderschönen, jungen Dieb zu verführen und großzügig zu unterstützen. Das bestens angelegte Geld hilft ihm, in der Gesellschaft aufzusteigen. Die Bekanntschaft mit dem Marquis de Venosta erweist sich als besonders vorteilhaft, darf er doch für ein Jahr dessen Identität annehmen und für ihn auf Weltreise gehen. In Lissabon wird er vom Direktor eines Naturkundemuseums umworben. Als er bei einem Picknick feststellt, dass dessen spröde Tochter sowie seine prüde Frau durchaus ihre Reize besitzen, beschließt er, diese Bekanntschaft zu vertiefen.

Tim Oberließen verkörpert den eloquenten, jungen Charmeur Felix Krull, dem man trotz all seiner Skrupellosigkeit nicht wirklich böse sein kann, strahlt er doch gleichzeitig eine kindliche Naivität aus. Die übrigen Darsteller müssen ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen, sind sie doch in den unterschiedlichsten Rollen und Charakteren zu bewundern. Britta Bayer überzeugt nicht nur als liebestolle, exaltierte Dame mit poetischer Ader – eine Rolle, die ihr besonders zu liegen scheint –, sondern auch als Marquis de Venosta und distinguierte, portugiesische Lady. Die männlichen Rollen übernimmt Walter Sachers-von Philippovich,  Elisabeth Halikiopoulos überzeugt als Varietésängerin, junge Liebhaberin und widerborstige Tochter des Museumsdirektors.

Faszinierend ist die kleine Drehbühne, die wie ein Ringelspiel funktioniert (Ausstattung: Konrad Kulke). Auf diesem drehbaren Podest sind Unmengen von Requisiten malerisch verteilt und mit einem Schubs kann von einer Szene in die nächste gewechselt werden. Beim Schlussapplaus kamen diesmal auch die fleißigen Helferlein, die man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt, auf die Bühne, um gebührend gefeiert zu werden. Ihnen hatte man die wilde Verbeugungstour zu verdanken, in der sich die Schauspieler in rasendem Tempo nochmals in all ihren Verkleidungen präsentieren durften. Viel Applaus für die temporeiche Inszenierung, die Schauspieler und das gesamte Team.

„Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ von Thomas Mann. Für die Bühne bearbeitet von Volkmar Kamm. Inszenierung: Volkmar Kamm. Ausstattung: Konrad Kulke. Dramaturgie: Astrid Großgasteiger. Mit: Tim Oberließen. Walter Sachers-von Philippovich, Britta Bayer, Elisabeth Halikiopoulos. Fotocredit: SLT/ Max Pataly-Fejes/wildbild


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1 Kommentar zu "„Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ – die steile Karriere eines Charmeurs"

  1. Heide-Maria Müller | 2. Oktober 2012 um 11:13 |

    Liebe Elisabeth !
    Deine Kritik macht wieder mal so richtig Lust auf einen Theaterbesuch !

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