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Markus Kubesch, Student an der Universität Mozarteum, Abteilung für Schauspiel und Regie, hat für seine  Diplominszenierung Lukas Moodyssons gleichnamigen Film aus dem Jahre 2002 für die Bühne bearbeitet. Er erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das, von seiner Mutter verlassen, in einem trostlosen Umfeld ums Überleben kämpft und schließlich von Mädchenhändlern nach Schweden verschleppt wird.

Von Elisabeth Pichler.

Die Bühne beherrschen über 100 große Umzugskartons, die anfangs noch ordentlich in Reih und Glied stehen. Sie symbolisieren die anonymen Plattenbauten Tallinns. Die 16-jährige Lilja tanzt aus Vorfreude auf die bevorstehende Reise nach Amerika, glückselig vor sich hinlächelnd, auf einer dieser Kisten. Ihre Freundin Natascha hat bereits resigniert, sie muss ums Überleben kämpfen und wartet Kaugummi kauend am Straßenrand auf männliche Kundschaft. Völlig aus der Bahn geworfen scheint der kleine Volodja, denn er schaut nur mehr mit dem Kopf aus einer der Kisten heraus. Als es Lilja gelingt, seinen Selbstmordversuch zu vereiteln, freunden sich die beiden an. Sie sind aber nicht in der Lage, sich gegenseitig zu helfen. Während er im Klebstoffschnüffeln Vergessen sucht, überrascht sie ihn mit einem Geburtstagsgeschenk, gekauft von ihrem ersten „angeschafften Geld“. Sie folgt ihrer ersten großen Liebe nach Schweden und wird bitter enttäuscht, denn Andrej entpuppt sich als skrupelloser Mädchenhändler.

Elisa Plüss (Lilja) und Diana Ebert (Natascha und einige andere Rollen) müssen in dieser Aufführung nicht nur ihre schauspielerischen Qualitäten unter Beweis stellen, sondern vor allem ihren Mut zur Hässlichkeit. Sie bestreiten den Abend in ausgeleierter, alter Unterwäsche und zerrissenen Strumpfhosen. Simon Werdelis (Volodja) und Simon Rußig (Zuhälter, Mädchenhändler u.v.a.) geht es da nicht besser, denn ihre Unterwäsche hat ebenfalls schon bessere Tage gesehen, auch sie müssen den Abend halbnackt bestreiten. Diese „Kostüme“ schaffen eine authentische Atmosphäre von Trostlosigkeit, das Publikum leidet förmlich mit den Protagonisten mit.

Der kriminelle Menschenhandel in Osteuropa nimmt ständig zu und hat bereits beängstigende Ausmaße angenommen. Der aktuelle Stoff, die beeindruckende Inszenierung sowie die vier begabten jungen Schauspielerinnen und Schauspieler sorgen für 60 Minuten intensives Theater zum Nachdenken.

„Lilja 4-ever“ nach dem Drehbuch von Lukas Moodysson. Regiediplom von Markus Kubesch. Ausstattung: Victoria Kleinecke, Christina Pointner, Musik: Nikolaij Janocha, Markus Kubesch. Mit: Diana Ebert, Elisa Plüss, Simon Rußig, Simon Werdelis. Foto: Mozarteum