Seltener Operngenuss im Haus für Mozart:
Tristan und Isolde von Richard Wagner

Wagners “Tristan und Isolde” in einer Neuproduktion des Salzburger Landestheaters feierte am 31. Okt. im Haus für Mozart berauschende Premiere.

Von Siegfried Steinkogler.

Bietet Richard Wagners Liebesdrama “Tristan und Isolde” an sich schon einen seltenen Hörgenuss, so kann das “psychologische” Meisterwerk derzeit im Salzburger Haus für Mozart in einer erstklassigen Inszenierung und Ausstattung besucht werden, bedingt durch das schlüssige Regiekonzept von Eike Gramss (er hält einen Lehrstuhl an der Universität Mozarteum im Fach Musikdramatische Darstellung inne) und durch das bezaubernde Bühnenbild Christian Floerens – knapp wie die Handlung selbst und von einer besonderen Atmosphäre getragen. Dirigent Leo Hussain versteht es, feinste Nuancen aus der Partitur zu holen, und das Mozarteum-Orchester steuert durch ihr facettenreiches Spiel ein Gutteil zur internationalen Klasse dieser ansprechenden Musiktheater-Aufführung bei.

Dabei hatte es Wagners Musikdrama keineswegs leicht, seinen Weg auf die Bühne zu finden. Schon das Studium der Quellen, insbesondere das Versepos “Tristan” von Gottfried von Straßburg (ca. 1210), die “Gesänge an die Nacht” von Novalis, wie philosophische Arbeiten von Arthur Schopenhauer und Ludwig Feuerbach, nahmen beträchtliche Zeit in Anspruch; Konzept, Textbuch und schließlich die Ausarbeitung der Partitur fielen in die Jahre 1857-59. Dennoch dauerte es noch fünf Jahre, bis die Oper im Jahre 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München uraufgeführt werden konnte. Danach sollten wieder an die zehn Jahre vergehen, bis “Tristan und Isolde” in Weimar und Berlin nachgespielt wurde.

Festspielbühne unter Wasser gesetzt

Heute zählt das monumentale Werk längst zum Standardrepertoire der großen Weltbühnen und stellt auf Grund seiner knappen Handlung eine Herausforderung für Regie und Bühnenbild dar. Eine Herausforderung, der sich die Verantwortlichen auf der Festspielbühne mit Erfolg stellten. Der erste Akt spielt auf dem Schiff, auf dem die irische Königstochter Isolde nach Cornwall segelt, um dort im Feindesland König Marke zu ehelichen. Die Bühne wurde zu diesem Zweck unter Wasser gesetzt, das Schiff zweigeteilt: die dem Publikum zugewandte Seite für Isolde (Jeanne-Michéle Charbonnet) und deren Dienerin Brangäne (Katherine Goeldner), die beide eine beeindruckende sängerisch-darstellerische Leistung boten, die zweite Abteilung für König Markes Schiffsmannschaft, allen voran Tristan, der von Michael Baba als todesmütiger Held wie als Liebhaber gleichermaßen treffend charakterisiert wurde und auch stimmlich der Isolde einen ebenbürtigen Partner abgibt.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf

Die Irin Isolde empfindet die Vermählung mit dem König des verfeindeten (und Irland tributpflichtigen) Cornwall als Schmach. In dieser ausweglosen Situation befangen, wünscht sie sich den Tod. Ihre Vertraute Brangäne soll ihr den Gifttrank reichen, diese vertauscht jedoch heimlich den Gifttrank mit einem Liebestrank, welcher bewirkt, dass Tristan und Isolde in bedingungsloser Liebe zueinander entbrennen.

Glanzvoller Höhepunkt der Salzburger Aufführung war die Liebesnacht im 2. Akt, in der Jeanne-Michéle Charbonnet und Michael Baba alias Isolde und Tristan zur Hochform auflaufen. Gleiches gilt für das Mozarteum-Orchester, das hier in klanglicher Hinsicht eine schillernde Farbenpracht entwickelte. Diese Hochleistungen gewinnen noch an Bedeutung, wenn in Betracht gezogen wird, dass die Liebesszene bei Wagner nicht etwa nur angedeutet wird (wie in so manchem anderen Bühnenwerk), sondern eine geschlagene Dreiviertelstunde fortwährt, bis die beiden Liebenden von König Marke (Frode Olsen begeistert als in sich ruhender weiser Herrscher) und seinen Gefolgsleuten ertappt werden und Tristan von Melot eine tödliche Wunde zugefügt wird.

Einen bleibenden Eindruck hinterließ auch der Beginn des 3. Aktes. Tristan kämpft mit dem Tod. Er wurde von seinem Vertrauten Kurwenal (gesungen von Detlef Roth; Prädikat: Sehr gut) zur Burg seiner Väter in die Bretagne gebracht und erwartet dort mit Schmerzen die Ankunft Isoldes. Wagners Musik ist an dieser Stelle von einer tiefen Tragik umfangen. Die starke Stimmung wird noch verstärkt durch das schaurig-schöne Bühnenbild. Dann – worauf der Kenner schon mit Spannung wartet – ertönt eine Hirtenweise auf dem Englisch-Horn, die sich in der Folge zu einem ausgedehnten Instrumental-Solo entwickelt. Mit großer Klangschönheit dargeboten wurde diese Passage zu einem weiteren Höhepunkt dieser Opern-Premiere. Der Schluss, Isoldes Liebestod, stand noch einmal ganz im Banne der sängerischen Klasse Jeanne-Michéle Charbonnets, die mit Recht eine Isolde von internationalem Hochformat genannt werden muss.

Viele Gründe also, sich umgehend eine Karte für eine der folgenden Aufführungen zu sichern.
Ein kleiner Tipp am Rande: es empfiehlt sich, vor dem Besuch von “Tristan und Isolde” die Handlung samt Vorgeschichte, die hier nur angedeutet werden konnte, zu lesen. Obwohl der Libretto-Text am oberen Bühnenrand eingeblendet wird, kann von den (teils) kryptischen Versen Richard Wagners nicht immer auf die Handlung geschlossen werden!

Richard Wagner: Tristan und Isolde / Salzburger Landestheater im Haus für Mozart / Premiere am 31.10 2012 / Musikalische Leitung Leo Hussain, Adrian Kelly / Inszenierung: Eike Gramss / Ausstattung: Christian Floerenn / Mozarteumorchester Salzburg / Besetzung: Einar Gudmundsson, Simon Schnorr, Franz Supper, Michael Baba, Jeanne-Michèle Charbonnet, Katharine Goeldner, Frode Olsen, Detlef Roth / Fotos: Jürgen Frahm / Video: SLT

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