Herbstspaziergang über die Ramingsteiner Felsenpromenade

Die Ramingsteiner Felsenpromenade, die von 1961 bis 1963 unter Bürgermeister und Sprengelarzt Dr. Gert Lainer mit Mitteln des Salzburger Fremdenverkehrsförderungsfonds errichtet wurde, ist ideal für Spaziergänge in fast allen Jahreszeiten geeignet, am schönsten sind sie jedoch im Herbst.

Ein Bericht von Johann Weilharter, Fotos: Martina Martin.

Routen
Zur Auswahl sind drei Routen, entweder beim Dorfwirt Bräu an der östlichen Einfahrt beginnend, entlang der Bundesstraße zur westlichen Einfahrt beim Gasthof Durigon, dort über den Mursteg und über die Promenade zurück zum Ausgangspunkt. Die zweite Möglichkeit wäre vom Gasthof Durigon in Richtung Sportplatz über Murbrücke beim ehemaligen Bahnhof und dann über die Promenade zurück. Beide Routen zusammen ergeben einen ausgedehnteren Spaziergang.

Ich mache mich auf den Weg
Der Rundgang beginnt beim Dorfwirt Bräu (weil ich aus dem östlich gelegenen Ortsteil Kendlbruck komme). Oberhalb ist die neugotische Pfarrkirche zum Heiligen Achatius sichtbar, die nach einem Brand zu Ende des 19. Jahrhunderts wieder errichtet werden musste, ursprünglich aber aus dem 14. Jahrhundert stammen dürfte (gestiftet durch die Herren Adam und Achaz von Weißpriach). Erst seit 1813 ist Ramingstein eine eigenständige Pfarre, vorher war die Kirche eine Filialkirche von Stadl an der Mur.

Es geht weiter, am Gemeindeamt vorbei zur Volksschule. Dort bewundere ich Mosaiken aus einfachen Steinchen, die wahrscheinlich von Volksschülern angefertigt wurden. An der westlichen Ortseinfahrt komme ich zum Gasthof Durigon (die Wirtin Barabara Durigoni soll beim Waldbrand von 1841 aus dem Fenster gesprungen sein, um ihr Leben zu retten). Dieser Gasthof ist einer den wenigen größeren Beherbergungsbetriebe von Ramingstein. Gegenüber ist der Mursteg, wo ich in die Promenade einsteige. Beim Mursteg kommt mir schmerzhaft das aktuelle Kraftwerksprojekt in Erinnerung. Wenn nur mehr 20% des bisherigen Wassers in der Mur fließen sollte, würde wohl auch die Promenade viel von ihrem Reiz verlieren.

Der Promenade entlang sehen wir das Wahrzeichen von Ramingstein, die Burg Finstergrün und auch Schloss Wintergrün. Die Gebäude werden manchmal verwechselt. Als „Ritter Johann von der Festplatte“ aus der Ritterrunde von Finstergrün weiß ich das wohl zu unterscheiden. Obwohl die Burg Finstergrün sehr alt ausschaut, wurde sie erst um 1900 auf der Ruine der alten Burg wieder errichtet. Im prächtigen Rittersaal habe ich meinen Fünziger gefeiert, gerne wird auf der Burg auch geheiratet, wo es sogar eine „Filiale“ vom örtlichen Standesamt gibt. Im Sommer sitze ich gerne im Burghof oder bei schlechterem Wetter in der Naschkammer oder in der Gruft.

Die Promenade ist als Naturlehrpfad ausgeschildert. Die ursprüngliche Beschilderung verdanken wir dem ehemaligen Volksschuldirektor und Altbürgermeister Franz Kravanja. Die alten Schilder weisen viel Liebe zum Detail auf. Die Erneuerung und Ergänzung der Beschilderung (durch die Werkstatt der Lebenshilfe Tamsweg) ist nur mehr plakativ und lassen mich meine biologischen Wissenslücken schnell erkennen.

Am Mislitzbach gelegen ist das Schloss Wintergrün, 1188 erstmals erwähnt und heute Sitz der Schwarzberg’schen Forstverwaltung (leider gibt es im Vergleich zu meiner Jugendzeit nur mehr wenige Arbeitsplätze in diesem Betrieb, moderne Maschinen haben offenbar die „Holzknechte“ weitgend überflüssig gemacht). Ursprünglich war wohl an Grenzbefestigung gedacht.

Beim Weitergehen bemerke ich, dass ich nicht weiß, was eine Deutzie ist und dass es diese Pflanze bei uns gibt. Alle zwei Stunden fährt die Murtalbahn. Heute in modernen Triebwagengarnituren, in meiner Kindheit konnten wir noch bis Mauterndorf durchfahren, allerdings mit Dampflokomotiven. Im Sommer fahren mehrmals in der Woche Dampf-Bummelzüge. Durch den Bau der Murtalbahn 1894 wurde der Lungau an die Welt angeschlossen (er war ja noch „jenseits des Tauern“). Das hatte einen großen wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge, was man auch an den Schülerzahlen der Volksschule erkennen kann. Mit 333 Schülerinnen und Schülern wurde im Schuljahr 1919/20 der bisherige Rekord erreicht, wie mir Oberschulrat Peter Heiß freundlicherweise mitteilte. Von solchen Zahlen können heute die meisten Schulen im Bezirkshauptort nur mehr träumen.

1138 wird die Burg Finstergrün als Grenzfeste zwischen Salzburg und Steiermark erstmals erwähnt. Der Name wurde allerdings erst 1629 erwähnt. Die Burg gehört seit 1972 der Evangelischen Jugend, seit der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gibt es Sommerfreizeiten.

Beim Weitergehen entdecke ich ein Schild zur Salweide. Diese war mir nur als Weide und noch besser als „Palmkatzlbaum“ bekannt. Einen solchen habe ich als Bub neben unserem Haus gepflanzt, indem ich einen dünnen Ast in feuchten Untergrund gesteckt habe. Salweide schlägt leicht Wurzeln.

Von einer Aussichtsbank sehe ich wieder die in der Schülerzahl klein gewordene Volksschule Ramingstein. Aktuell werden laut Mitteilung der VS-Direktorin Martha Bogensberger nur mehr 29 Kinder unterrichtet. Es gibt keine kinderreichen Familien mehr, wie früher. Die Schule, die als sehr innovativ gilt und das in österreichweit und international bekanntgewordenen Projekten „Sucht den Silberschatz in Ramingstein“ sowie „Ramingstein – im Dorf der Künstler“ eindrucksvoll dokumentiert hat gerät zusehends in Existengefahr.

Das von Architekt Paul Geppert aus Salzburg geplante Schulgebäude wurde 1912/13 für eine große Schülerzahl (300) mit maßgeblicher Unterstützung der Gräfin Margit Szapary errichtet und wird allgemein als eines der schönsten Schulgebäude des Landes Salzburg bezeichnet.

Wohl eine der schönsten Volkschulen des Landes. 2013 feiern wir 100 Jahre der Fertigstellung.

Da heute keine Lehrerinnen und Lehrer mehr dort wohnen, ist meine Schwester mit ihrem Ehemann nach ihrer Pensionierung aus München nach Ramingstein gezogen, um eine ehemalige Schulleiterwohnung zu beziehen.

Weiter auf dem Pfad der Natur: Berberitzen, lungauerisch „Gischgalatzn“ waren früher häufig an Wegesrändern zu finden. Irgendwie hat der Naturlehrpfand Promenade auch den Charakter eines Museums.
Den großen Brand von 1841 überstand die Pfarrkirche, brannte aber 1854 das erste Mal und 1889 noch einmal ab. Sie wurde unter der Leitung des Salzburger Architekten Jakob Ceconi in der heutigen neugotischen Form wieder errichtet und 1892 eingeweiht. Spannend, wenn ich daran denke, dass mein Großvater diese Zeit schon miterlebte.

Bei einer Sitzbank mit Ausblick auf Schlosserbühel und Hintering fällt eine Halterung auf, für das jährliche Osterkreuz zur Auferstehungfeier am Ostersamstag. Häufiger sieht man dann die schön gezimmerten Osterfeuer, die 1797 zu einem abrupten Abzug von durchziehenden französischen Soldaten geführt haben soll, weil sie sich umzingelt glaubten.

Am Schlösserbühel und darunter (wegen der sonnige Lage eine beliebte ortsnahe Siedlung) haben sich „Zuwanderer“ angesiedelt, die mit viel Liebe und Geldeinsatz leerstehende Objekte renoviert haben bzw. renovieren und die zu begeisterten und beliebten Ramingsteiner/innen geworden sind.

An der Stelle, wo der Kirchsteig Stein abzweigt, der eine Teilstrecke des Erzweges Altenberg darstellt, treffen wir einen RAMO, eine lustige Steinfigur von Erna Kendlbacher. Diese Steinfigur, die man in Ramingstein immer wieder antrifft, hat viel mit der Bergbauvergangenheit des Ortes zu tun, symbolisiert sie doch die sagenhaften Bergmännlein. Namensgeber war der Sohn meines Cousins, wie man auf der Webseite zum siegreichen Projekt „Sucht den Silberschatz in Ramingstein“ lesen kann.

Entlang des Tschellerbaches geht es den Schlosserbühel hinunter zur Friedhofsbrücke an der östlichen Ortseinfahrt, wieder über die Mur, die auch wesentlich zur Gesundheit dieses Spazierganges beiträgt. Einerseits die gesunde Luft, andererseits eine besondere Lichtführung durch Spiegelung des Sonnenlichts und das wilde Rauschen welches hilft, den doch auch vorhandenen Lärm des Straßenverkehrs abzumildern.

Am Ende des Rundganges kehre ich gerne beim Dorfwirt Bräu ein, wenn er nicht Ruhetag hat (am Montag). Dort gibt es ein Glas Rotwein und Rindfleisch, entweder geselcht oder saures Rindfleisch. Beides ist köstlich. Der Bräuwirt hat auch schon eine wechselhafte Geschichte, das Haus gibt es mindestens seit 1500. Wichtiger für das Dorf ist, dass es den Dorfwirt noch lange gibt.

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Über den Autor

johannweilharter
Dir.i.R. der Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule Tamsweg, ehemals auch Vizebürgermeister von Ramingstein. Computermathematiker. Lehrbuchautor Mathematik, Physik, Informatik.

2 Kommentare zu "Herbstspaziergang über die Ramingsteiner Felsenpromenade"

  1. Rochus Gratzfeld Rochus Gratzfeld | 7. November 2012 um 13:06 |

    ein bericht, der lust macht auf die wanderung und den besuch beim dorfwirten.

  2. Siegfr. Eder | 27. April 2015 um 20:05 |

    Was heißt bitte “beim ehemaligen Bahnhof” ? – Die Murtalbahn fährt doch wohl noch, oder ?

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