„Ein Fest für Georg Kreisler“ – Schwarzhumoriges vom Meister der Worte

Am 22. November 2011 ist Georg Kreisler, geboren 1922 in Wien, in Salzburg gestorben. Zum ersten Todestag veranstalteten das Salzburger Landestheater und die Universität Mozarteum ein Fest mit einem Querschnitt durch das Schaffen des sprachgewaltigen Dichters und Kabarettisten.

Von Elisabeth Pichler.

Im Musical „Adam Schaf hat Angst“ (uraufgeführt 2002) lässt Georg Kreisler einen alternden Schauspieler Bilanz ziehen über die Zeit des Wirtschaftswunders in Deutschland. Karl M. Sibelius bringt das Stück in einer neu überarbeiteten Version mit starken Salzburg-Bezügen auf die Bühne und schlüpft in die Rolle des einst gefeierten Bühnenstars Adam Schaf. Zu seinen Glanzzeiten stellte dieser als Leopold im „Weißen Rössl“ sogar Peter Alexander in den Schatten. Heute bereitet er sich in der Garderobe akribisch auf seinen kleinen Auftritt als Fremdenführer in demselben Stück vor. Sprech-, Atem-, Entspannungs- und Lockerungsübungen sollen über die Nervosität hinweghelfen. Er überbrückt die Wartezeit, indem er über die heutigen Zustände im Theater herzieht. Nicht gut weg kommen dabei die Regisseure, die ihn meist nackt auftreten lassen. Er sinniert über das Leben, die Liebe, Homosexualität, die Kunst und die Politik. Die Lieder mit ihren feingeschliffenen Texten zeugen von Kreislers politischer Hell- und Weitsicht, sind zwar bösartig, doch nie ohne Charme: „Schade, dass ich nicht Bundeskanzler bin“, „Meine Freiheit, deine Freiheit“. Das wohl bekannteste Lied, „Gemma Tauben vergiften im Park“, darf nicht fehlen. Begleitet wird Adam Schaf alias Sibelius von Nebosja Krulanovic am Klavier, der sich als Gastarbeiter aus Sarajevo so einiges gefallen lassen muss.

Der 2. Jahrgang der Universität Mozarteum, Abteilung Schauspiel und Regie, hat sich ebenfalls mit den Texten Georg Kreislers auseinandergesetzt und überrascht mit einer modernen Performance. Zwei Studentinnen und sechs Studenten schlüpfen in die Rolle des großen Kabarettisten und tragen die bitterbösen Lieder mit großer Begeisterung vor. „Was tut man, um zu sein?“ und „Denn ich bin ja nur die Frau Schmidt“ zeugen vom feinen Humor des großen Meisters. „Schlag sie tot“ hingegen ist schwarz, provozierend, fast verstörend. Zum Abschluss gehen auch die Studenten wieder Tauben vergiften im Park.

Georg Kreisler war erfolgreicher Interpret seiner eigenen Lieder und Chansons, Vergleiche mit ihm sollte man gar nicht erst anstellen. Der Abend hat gezeigt, dass seine Texte Aktualisierungen sowie szenische Darstellungen gut vertragen. Die Hommage an Georg Kreisler wurde vom Publikum überaus positiv aufgenommen. Viel Applaus.

1.Akt „Adam Schaf hat Angst“ von Georg Kreisler. Mit: Karl M. Sibelius, Nebosja Krulanovic.

2.Akt „Ich bin Kreisler“, „Kreisler im Kreis“. Universität Mozarteum, Abteilung Schauspiel und Regie. Mit: Silvana Veit, Jula Zanger, Benedikt Flörsch, Marcel Heupermann, Ludwig Hohl, Marcel Klein, Simon Rußig, Alexander Tröger. Musikalische Leitung/Klavier: Bruno Juen. Bass: Dietmar Kastrowsky. Drums: Andy Grabner. Regie: Jana Vetten, Amélie Niermeyer. Fotos: Manfred Siebinger


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