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Während bei „Ballet Manchot“ (Premiere am 29.11.2012) eine große Truppe von Artisten und Musikern das Publikum mit einer hinreißend verrückten Show begeistert, sorgen bei „Extrêmités“ (Premiere am 30.11.2012) drei Akteure mit einem atemberaubenden Balanceakt für Spannung. Zwei Varianten des zeitgenössischen Zirkus aus Frankreich mit viel schwarzem Humor.

Von Elisabeth Pichler.

Cie Le Cubitus du Manchot vereinen in ihrer unterhaltsamen, überaus schrägen Produktion Artistik, Theater, Tanz und Musik. Zu Beginn zeigen finstere, bärtige Männer dem Publikum zwei Vogelkäfige mit altmodischem Telefon und Fotoapparat, bis wir es alle verstanden haben: Handy ausschalten und nicht fotografieren! Johann Candoré führt als skurriler Conférencier, mal als Pinguin, dann wieder als Rockstar, durch den Abend, denn „heute ist ein Festtag“. Die 80-minütige Show, die von einer rockig aufspielenden Band begleitet wird, ist turbulent, abwechslungsreich und gespickt mit artistischen Höchstleistungen, die spielerisch, fast improvisiert wirken. Ungeahnte Möglichkeiten für faszinierende Sprünge bieten die Teeterboards, einfache Holzwippen, wie sie auf Kinderspielplätzen zum Einsatz kommen. Zwischen den einzelnen Nummern (Fahrrad, Reifen, Tango speziell u.v.a.) menschelt es gewaltig, Eifersucht und Neid führen zu Mord und Totschlag. Zum Schlussbild formiert sich die Truppe in kleinen Wägelchen jedoch harmonisch im Kreis. Eine Vorstellung, die unendlich viele Facetten hat, eine wilde Rockshow mit philosophisch angehauchten Aspekten. Einfach umwerfend und absolut sehenswert.

Bei den drei Herren vom „Cirque inextrémiste“ hingegen geht es wesentlich ruhiger, dafür umso bösartiger zu. Gasflaschen und einfache Holzbretter warten auf ihren Einsatz, denn „atemberaubende Balanceakte“ wurden versprochen. Vorerst quält sich ein Querschnittgelähmter mühsam aus seinem Rollstuhl. Sein hinterlistiges Lächeln lässt aber rasch erkennen, dass hier ein Unfall vorgetäuscht werden soll. Doch statt auf hilfsbereite, freundliche Menschen trifft er auf zwei ebenso hinterhältige Typen, die ihn nach Strich und Faden auszutricksen versuchen. Während die Kinder im Publikum die Aktionen von Anfang an lustig finden, bleibt den Erwachsenen erst mal das Lachen im Halse stecken. Im Laufe des Abends legen sich jedoch diese Hemmungen. Ins Publikum geschleuderte Schuhe helfen dabei, die anerzogene Zurückhaltung abzulegen. Nach unglaublich spektakulär anmutenden Balanceakten und schwarzhumorigen Einlagen endet der Abend dank der Gasflaschen absolut bombastisch.

Der Akrobat Rémi Lecoq ist auch im echten Leben Rollstuhlfahrer. Das Winterfest unterstützt mit diesem Stück die Organisation Wings for Life. Pro verkaufter Normalpreiskarte wird ein Euro an die Stiftung für Rückenmarksforschung gespendet und dort zu 100% in Forschungsprojekte zur Heilung von Querschnittslähmung investiert. www.wingsforlife.com

Das treue Winterfest-Publikum genoss beide Abende, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Nächste Woche geht es weiter mit „Da/Fort“ einem Taschenzirkus, der im Laderaum eines alten LKW stattfindet, und dem Figurentheater „L’efant qui“. Fotos: Andreas Kolarik/ Winterfest. www.winterfest.at