„Gift. Eine Ehegeschichte“ – vom Umgang mit der Trauer

Gift

Die Protagonisten in Lot Vekemans Zwei-Personen-Stück fassen ihre gescheiterte Vergangenheit und Geschichte so zusammen: „Ein Mann, eine Frau, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann den anderen.“ Peter Arp hat den beklemmenden, berührenden Dialog der niederländischen Autorin eindrucksvoll in Szene gesetzt. Premiere war am 5. Jänner 2013 im Schauspielhaus Salzburg.

Von Elisabeth Pichler.

Ein riesiges Grab, gefüllt mit schwarzem Kies statt Friedhofserde, beherrscht die Bühne. Hier treffen eine Frau und ein Mann, die sich vor vielen Jahren getrennt haben, erstmals wieder aufeinander. Ein Brief der Friedhofsverwaltung hat sie hierher zitiert, denn das Grab ihres gemeinsamen Kindes müsse wegen der mit giftigen Substanzen kontaminierten Erde verlegt werden. Beide sind verlegen, ein Gespräch kommt nur stockend in Gang. Als sie jedoch den Silvesterabend anspricht, an dem er sie um zehn nach sieben mit zwei Koffern verlassen hat, ändert sich die Situation. Warum hat er sich nie wieder bei ihr gemeldet? Warum hat er es geschafft, ein neues Leben zu beginnen? Die Vorwürfe werden immer heftiger und konkreter, seine Reaktion darauf ist ohnmächtige Wut. Warum kann sie ihm nicht glauben, dass auch er trauert? Warum war ihr seine Trauer nie genug? Er schaffte es, einen Schlussstrich zu ziehen, ein neues Leben mit einer neuen Frau, bald auch mit einem neuen Kind zu beginnen. Warum gönnt sie ihm sein Glück nicht? Er wirft ihr vor, in ihrer eigenen Trauer zu baden, ja geradezu verliebt in sie zu sein. Während sie gemeinsam auf den Herrn der Friedhofsverwaltung warten, werden aber auch Erinnerungen an bessere Zeiten lebendig, Vertrautheit blitzt auf, und kurzfristig schaffen sie es, den Schicksalsschlag, der alles zerstört hat, zu vergessen.

Das Stück stellt eine große Herausforderung für Christiane Warnecke (SIE) und Antony Connor (ER) dar, die sie mit Bravour meistern. Sie schaffen es, durch ihr nuancenreiches Spiel, die emotionalen Abgründe der Trauer und ihre unterschiedliche Bewältigung sichtbar und fühlbar zu machen.

Eine starke, präzise Inszenierung, die durch ihre Schlichtheit überzeugt. Ein Theaterabend, der Konzentration erfordert und unter die Haut geht, aber auch Trost spenden kann. Der Tod gehört zum Leben und wir alle werden damit konfrontiert, ob als Betroffene oder als Außenstehende. Sind wir bereit, die eigene Trauer zuzulassen und die Trauer anderer zu akzeptieren?

„Gift. Eine Ehegeschichte“ von Lot Vekemans. Regie: Peter Arp. Bühne: Tobias Kreft. Kostüme: Nora Fankhauser, Tobias Kreft. Musik: Peter Valentin. Mit Christiane Warnecke und Antony Connor. Bildnachweis: Tobias Kreft

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