„Kinder des Teufels“ – ein dunkles Kapitel Salzburger Landesgeschichte

Zauberer Jackl

Alle Fotos: © 2013 Karl Traintinger, Dorfbild.at

Das Theater Holzhausen bringt Felix Mitterers schockierendes und berührendes Theaterstück, die dramatische Aufarbeitung eines grausamen Hexenprozesses, der in den Jahren 1675 bis 1681 gegen vagabundierende Kinder und Jugendliche in Salzburg stattfand, auf die Bühne. Premiere war am Ostersonntag, den 31. März 2013.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

„Hast du den Zauberer-Jackl gekannt?“ So lautet stets die erste Frage von Hofrat Sebastian Ziller, Richter und Ankläger in einer Person. Der 14-jährige verschüchterte Dionysus Feldner, genannt der „Dreckstierer“, gibt zu, dass er und die krumme Vroni mit dem Jackl unterwegs waren, denn „allein unterwegs, das is nix“. Vor dem Jackl da hätten die Leute Angst, denn der könne sich unsichtbar machen und Mensch und Vieh verzaubern. So steht dann auch die Vroni vor dem Richter und unter Androhung von Folter nennt sie weitere Namen. Nach und nach füllt sich das Gefängnis, ein mit Stroh ausgelegter Verschlag, mit Kindern, die nur durch Betteln überleben können. Weihwassersuppe und geweihte Rute reichen nicht aus, um weitere Geständnisse zu erhalten.

Freimann, der gefühllose Folterknecht und Henker, waltet gerne seines Amtes. Der Richter hingegen ist stolz auf die moderne Gesetzgebung: Unter 10 Jahren darf nicht hingerichtet werden und unter 14 Jahren gibt es Folter nur in besonderen Fällen. „Wir sind ja ein zivilisiertes Land.“ Die fantasievollen Geständnisse der Kinder reichen aus, um die meisten von ihnen auf den Scheiterhaufen zu bringen – und das mit dem Segen der Kirche. Obwohl der Hauptangeklagte, der Zauberer-Jackl, nie gefasst werden konnte, mussten 139 Menschen ihre Bekanntschaft zu ihm mit dem Leben bezahlen. 39 davon waren Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren, weitere 53 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren.

Die armen, schutzlosen, gequälten Kinder stehen in diesem Stück im Vordergrund und sie spielen sensationell gut: Markus Vitzthum als 6-jähriger „Scherenfänger“ Hanerl, Christian Vitzthum als sein blinder Freund, Alexander Hainz als geschwätziger, geständnisfreudiger Dofferl, Laura Mitteregger als Fetzen-Vroni und Lea Schwarz als Magdalena Pichlerin. Sie alle erzählen ihre Geschichten mit überschäumender Fantasie, fast wie Märchen. Das jedoch wird ihnen zum Verhängnis, denn sie bestätigen damit nur das abergläubische Weltbild ihrer Peiniger. Den geschilderten Hexenritt mit dem gefürchteten Zauberer-Jackl nehmen alle für bare Münze, der Richter (Josef Mitteregger), der Schreiber (Gerold Schneider) sowie der Folterknecht (Richard Harfmann).

Waltraud Hochradl hat Felix Mitterers Drama, das sich eng an historische Tatsachen hält, äußerst geschickt in Szene gesetzt und dem Publikum die Folterszenen erspart. Die ungeheuerlichen Geschehnisse und das Bild der Kinder hinter Gittern, zusammengepfercht in einem stallähnlichen Gefängnis, haben auch so einen tiefen Eindruck hinterlassen.

„Die Kinder des Teufels“ – Schauspiel von Felix Mitterer. Regie: Waltraud Hochradl. Bühnenbild: Matthias Hochradl. Kostüme: Franziska Zauner. Licht: Wolfgang Schweinsteiger. Musik : Matthias Hochradl jun. Mit: Josef Mitteregger, Richard Harfmann, Gerold Schneider, Gunther Boennecken, Jana Mitteregger, Laura Mitteregger, Christian Vitzthum, Markus Vitzthum, Alexander Hainz, Florian Patsch, Lea Schwarz. Video/ Trailer: Theater Holzhausen

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