„Einen Jux will er sich machen“ – Seebühne Seeham

Der Theaterverein Seeham verabschiedet sich mit Johann Nepomuk Nestroys 1842 entstandener Posse mit Gesang von der bewährten, doch im Laufe von 17 Jahren stark beanspruchten Bühnenkonstruktion der Seebühne. Vor der traumhaften Kulisse des Obertrumer Sees feierte die turbulente Verwechslungskomödie am 28. Juni 2013, dem „wettermäßig schönsten Tag der Woche“, Premiere.

Von Elisabeth Pichler.

Gewürzkrämer Zangler stellt seinem Handlungsdiener Weinberl eine Beförderung in Aussicht. Dieser ist außer sich vor Freude, dass „das Berufsglück sein ganzes Füllhorn ausschüttet über mich“ und beschließt, sich „an der Grenze zwischen Knechtschaft und Herrschaft“ einen Jux zu machen. Als sein Herr für drei Tage in die Stadt fährt, um seine Zukünftige zu besuchen, schließt der ach so zuverlässige Weinberl kurzerhand das „Gwölb“ zu und macht sich mit seinem Lehrjungen, dem gutmütigen Christopherl, auf in die sündige Stadt, um einmal auch „ein verfluchter Kerl“ zu sein. Ständig auf der Flucht vor ihrem Dienstherrn, stolpern die Beiden von einer skurrilen Situation in die nächste. Sich einen Jux zu machen, erweist sich als gar nicht so einfach.

Bewaffnet mit einer Weinflasche schleicht Bianca Huber, die Geierwally aus dem Vorjahr, als musizierende Landstreicherin Elvira über die Bühne und singt – statt der gewohnten Couplets – mit rauchiger Stimme zu bekannten Wienerlied- und Schlagermelodien von Midlife-Crisis und anderen Problemen. Alexander Eberl tyrannisiert als Gewürzkrämer Zangler sein armes Mündel Marie, das sich erlaubt, den mittellosen August Sonders zu lieben. Michaela Schwab schüttelt als unschuldige Marie ihre Stoppellocken und versichert dabei ständig: „Das schickt sich nicht“, bevor sie mit ihrem Herzallerliebsten durchbrennt. Franz Hillerzeder als einst biederer Handlungsdiener Weinberl gewinnt durch seine Beförderung beträchtlich an Selbstvertrauen. An seiner Seite brilliert Thomas Herbst als Christopherl mit rührender Naivität, aber auch einer gehörigen Portion Gewitztheit. Als äußerst plastisch gezeichnete Charaktere erweisen sich Annegret Neuhofer als Auserwählte des Gewürzkrämers, Madame Knorr, und Christine Altendorfer als lustige Witwe, Frau von Fischer.

Gerard Es inszeniert das „Paradestück der österreichischen Nationalliteratur“ im Gegensatz zur modernen, gekürzten Fassung, die heuer im Schauspielhaus Salzburg zu sehen war, eher konventionell. Dazu passen das liebevoll gestaltete Bühnenbild sowie die prachtvollen Kostüme. Nestroys viel gespielte Posse spiegelt kritisch die gesellschaftlichen Zustände der guten alten Zeit wider und unterhält das Publikum mit wortgewaltigem Witz, der stets mit leicht bitteren Untertönen serviert wird. Viel Applaus für eine gelungene Aufführung und das engagiert aufspielende Laienensemble. Der Reinerlös der Premiere kommt wie jedes Jahr den Schmetterlingskindern zugute und wurde in Form eines Schecks über 3.200 Euro an „debra-austria“ übergeben.

„Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nepomuk Nestroy. Regie: Gerard Es. Musikbearbeitung: Bianca Huber, Gerard Es, Technik: Christian Greischberger, Rainer Niederreiter. Bühnenbild, Bühnenaufbau: Franz Angerer und Team. Kostüme: Christine und Irmgard Esterbauer, Katrin Wallner. Mit: Alexander Eberl, Michaela Schwab, Franz Hillerzeder, Thomas Herbst, Rudi Waltran, Cornelia Macher, Lukas Korber, Christian Altendorfer, Wolfgang Neu, Annegret Neuhofer, Christine Altendorfer, Ulli Rizner, Lisa Rizner, Sabrina Russinger, Maria Gappmaier, Werner Dallinger.

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