Hans Lutsch: Der Tod einer Taube

 

Auf dem Universitäts-Platz vor der Salzburger Kollegienkirche tummeln sich täglich viele Schaulustige, Käufer, Touristen und Marktreibende. Und nicht unweit von diesem Treiben hat eine unschuldige Taube unbemerkt und ungerecht ihren Tod gefunden.

Von Hans Lutsch

Sie wurde mit einem Netz, das zur Abwehr von Tauben dienen soll, eingesperrt – wahrscheinlich unbemerkt. Der Todeskampf einer Taube dauert mehrere Tage bis sie an den Folgen des Hungers und des Verdurstens stirbt.

Das Taubenproblem in Städten

Die Kollegienkirche hat in den letzten Jahren einen neuen Farbanstrich erhalten, der viel Geld gekostet hat. Insgesamt hat die Sanierung der Kirche am Universitätsplatz rund 16 Mio. Euro gekostet, so haben wir in den Medien lesen können. Deshalb hat der Herr Pfarrer auch gleich Maßnahmen gegen die erneute Verschmutzung durch die Tauben anbringen lassen müssen. Diese Vorkehrung wurde notwendig weil auch Tauben Schutz vor Wetter und Gefahren in den Nischen von Kirchen suchen. Jedoch steht hier der materielle Wert vor dem eines „ungeliebten“ Tieres, das in unseren Städten verzweifelt nach Herbergen sucht. Bei der Anbringung der Taubenabwehr wurde, von wem auch immer, übersehen, dass sich hinter dem Netz noch eine Taube befindet.

Das Symbol des Heiligen Geistes hat durch diese Unachtsamkeit einen unschönen Tod erfahren müssen. Stadttauben erleiden viele Tode und die meisten bleiben unbemerkt. Das Symbol für Frieden in Form einer Stadttaube ist hinter dem Netz verhungert und verdurstet. Und niemand will dieses unheilige Szenarium bemerkt haben. Niemand will den Todeskampf wahrgenommen haben. Eine entsetzliche Tragödie. Zumal auch viele Menschen, die sich tagtäglich auf dem Platz bewegen, nicht bemerkt haben wollen, dass eine Taube im Netz um ihr Leben kämpft – Tagelang.

Der Tod einer Stadttaube hinter einem Netz an der Fassade einer Salzburger Kirche. Welch eine Parabel auf den Umgang der christlichen und zivilisierten Gesellschaft hier im Lande mit der Friedenstaube wenn sie uns auf der Strasse begegnet. Und mit dem Symbol für die Rettung der Welt nach der Sintflut. Wir erinnern uns: Eine von Noah ausgelassene Taube kehrte mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zur Arche zurück und rettete so die Arche Noah.

Aber wir unterscheiden gerne zwischen Symbolen und der Wirklichkeit die uns tagtäglich widerfährt. Stadttauben erklären wir gerne als „Schädlinge“ in unserer Wohlstandsgesellschaft. Sie hinterlassen ihre Exkremente auf unseren Bauwerken, die ungerechterweise als Ätzend bezeichnet werden, obwohl es Untersuchungen gibt, dass der Taubenkot nicht annähernd so säurehaltig ist wie der Schweiß auf unserer Haut. Wir versuchen das Antlitz eines Bauwerkes zu schützen, um jeden Preis vor dem Kot eines Lebewesens dass verzweifelt ein Dach über dem Kopf sucht.

Der Wert eines materiellen Lebens ist uns oftmals näher und bestimmt in vielerlei Hinsicht unser Handeln. Und so werden auch an unseren Gotteshäusern fleißig Spikes, Elektrodrähte und Netze angebracht. Die Folgen dieses so dringlich formulierten Selbstschutzes vor unseren Haustüren zeigen sich manchmal auf eine sehr drastische und tragische Weise. Wie in den Tagen im Juni 2013 auf dem Universitätsplatz in Salzburg. Tagelang hing die verhungerte Taube hinter dem Netz auf einem Fenstersims. Lange blieb der Tod dieser Taube unbemerkt. Und sie hätte nicht sterben müssen, wenn wir achtsamer den Blick auf unsere so geliebten Kunstdenkmäler richten würden.

Hans Lutsch, ARGE-Stadttauben-Salzburg, Clemens Krauss Strasse 21/14, 5020 Salzburg,
Tel.: 0664 2360 130

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Dorfladen

1 Kommentar zu "Hans Lutsch: Der Tod einer Taube"

  1. Geschätzter Herr Tierschützer
    Ja eine Taube ist auch ein “Tier” – hat natürlich seine Berechtigung artgerecht zu leben !

    Keine Berechtigung im Falle einer entgleisten Überpopulasierung so wie wir es hier in unserer Stadt vorfinden.
    Ganz abgesehen von den zerstörerischen Erscheinungen in den Mauerwerken und den daraus auch aus öffentlichen Mitteln zu finanzierenden Sanierungsmaßnahmen!
    Auch gewisse Wildarten sind zahlenmäßig zu begrenzen um nicht einer Zerstörung in Wald und Flur Vorschub zu leisten!
    Ich würde Ihnen empfehlen Ihren Taubenfetischismus einmal zu überdenken und die Realität eines mit Vernuft bedachten Menschen zum Durchbruch zu verhelfen!

    Ein kopfschüttelnder Bürger dieser Stadt!

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