„Hallo Nazi“ – Ausländerfeindlichkeit in der Zelle. Theater StattGeflüster im Shakespeare

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Im Svetlov Theater (der Bühne im Café Shakespeare) feierte am 4. Juli 2013 eine aktualisierte Adaption des provokanten Jugendstücks von Monoblock in der Regie von Christine Winter Premiere. Speziell im Osten Deutschlands hat die Aufführung dieses von einem Autorenteam verfassten Theaterstücks mehrfach zu Gewalt und Randalen geführt, so wurde etwa in Cottbus die Spielstätte nach der Premiere von Unbekannten zerstört.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Bereits vor Beginn der Vorstellung wird das Publikum Zeuge einer Verhaftung. Ein offensichtlich schwer alkoholisierter junger Mann lässt sich widerstandslos abführen, als gehöre es für ihn zur Routine. In einer Arrestzelle macht er es sich gemütlich, um seinen Rausch auszuschlafen. Daraus wird aber nichts, drohen doch die Auseinandersetzungen zwischen dem minderjährigen Skin Rudi und dem illegalen polnischen Automechaniker Jan zu eskalieren und in brutale Gewalt auszuarten.

Die beiden wurden nach einem Überfall auf eine von Polen betriebene Autowerkstätte festgenommen und aus Platzmangel in einer gemeinsamen Zelle untergebracht. Rudi triumphiert, er glaubt sich im Recht, denn er habe nur für Ordnung gesorgt und die überforderte Polizei unterstützt. Als durchsickert, dass ein Pole seinen Verletzungen erlegen sei, wird die Situation für ihn jedoch brenzlig, denn in den Knast will er auf gar keinen Fall.

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Max Pfnür überzeugt in der Rolle des jungen Nachwuchs-Nazis Rudi, der sinnlose ausländerfeindliche Parolen von sich gibt. Jurij Diez mimt den Polen Jan, der einer düsteren Zukunft entgegenblickt. Die Gewaltbereitschaft ist bei Beiden groß, da hat es Alex Lughofer als junger Polizist nicht immer leicht.

Mit Hilfe von Handschellen und Kabelbindern schafft er es, die beiden Streithähne zu trennen. Leicht amüsiert beobachtet Felix Kiesel in der Rolle des alkoholisierten Homosexuellen die turbulenten Szenen. Er hält sich aus allem raus.

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Schon vor der Premiere meldete sich die Regisseurin via facebook zu Wort: „Ich möchte mal eines klarstellen, bevor wir weiter mit Fragen zum Stück und zu politischen Einstellungen bombardiert werden: DIESES STÜCK IST NICHT PRO FORMA FÜR ODER GEGEN NAZISMUS UND RECHTE GEWALT!

Es geht NICHT darum, bereits verhärtete Fronten zu untermauern und zu stärken! Es geht mir auch nicht darum, die Zuschauenden zu moralisieren und bekannte Klischees zu unterstützen. Ich VERSUCHE mit meinem Team MENSCHEN MIT MEINUNGEN auf die Bühne zu bringen, die im realen Leben mit ziemlicher Sicherheit niemals in Kommunikation treten würden.

Diese Situation ist der Boden des Stückes und bietet viel Raum für eigene politische Meinungsbildung. Hier beginnt das Stück, nicht mehr und nicht weniger. In diesem Sinne BÄÄMM, rücken wir die politischen Strömungen in eine Zelle und lassen es krachen!”

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Dem ist wohl nicht mehr viel hinzuzufügen. Diese mutige Produktion des Theater Stattgeflüster über die brisanten Themen Gewalt, Rassismus, Rechtsextremismus und Vorurteile wendet sich auch an Jugendliche. Eine rasante Inszenierung, die vor keinen Tabus zurückschreckt.

„Hall Nazi“ – von Monoblock. Regie: Christine Winter. Musik/technische Leitung: Felix Kiesel. Bühne: Felix Kiesel. Mit: Max Pfnür, Jurij Diez, Alex Lughofer und Felix Kiesel. Fotos:  Theater StattGeflüster<br>Weitere Termine: 11. + 12. + 13. Juli 2013 jeweils um 19:30 Uhr im Theater StattGeflüster im Shakespeare in der Hubert-Sattler-Gasse in Salzburg. Karten: 0664 9420434

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