„Theatre“ – eine Show zwischen Realität und Fiktion

Superamas_Theatre_1©Szene Salzburg_Kirchner

Das französisch-österreichische Performance-Kollektiv „Superamas“ ist Stammgast der Sommerszene und stets Garant für einen unterhaltsamen, opulenten Theaterabend mit akustischen und optischen Highlights und viel schwarzem Humor.

Von Elisabeth Pichler.

Zu Beginn wird das Publikum mit einem erotischen Bauchtanz verwöhnt, in dem drei Tänzerinnen nach und nach ihre Hüllen fallen lassen. Es wird uns versichert: „Most people like to look at sexy bodies“. Das war in der Renaissance auch nicht anders. Filippo Lippi verewigte in seinem Fresko „Das Fest des Herodes“ die schöne Salome gleich dreimal. Ein furioser „Tanz der sieben Schleier“ führt schließlich zu einem eindrucksvollen Tableau vivant. Nach diesem „Perspektive“ betitelten ersten Akt geht es im zweiten um Krieg. Wir sind in der Gegenwart oder der nahen Zukunft gelandet. In Belgien herrscht Bürgerkrieg, es gibt Tote und Verletzte. Während führende Staatsmänner endlos debattieren, ob und wie eingegriffen werden sollte, zögert Gaddafi nicht lange und „befreit“ Belgien. In Form eines Computerspiels können wir die Unterwerfung des dekadenten Despoten Albert II. mitverfolgen. Nach dem Sieg wird in der Wüste Syriens kräftig gefeiert. Gegen die Hitze hilft ein kühlendes Wasserballett. Wer hätte gedacht, dass Gaddafi der Kriegsspiele überdrüssig ist und von einem ganz normalen Handwerk träumt?

„Superamas“ selbst beschreiben ihre künstlerische Praxis als ein Zerlegen und Neuzusammensetzen von Materialien, die sie aus einem Baukasten aus Performance, Tanz, Lichtdesign, Musik, Film und Installation beziehen. Mit verblüffenden Theatereffekten wird versucht, Verbindungen zwischen orientalischem Bauchtanz, einem Fresko der Renaissance und aktueller Politik herzustellen. Viel Applaus für „ein Stück voller Perspektivenwechsel“, eine gelungene Satire auf die Illusion der Politik.

„Theatre“ – Superamas. Eine Produktion von Superamas. Regie und Drehbuch: Superamas. Bühnenbild, Ton und Video: Superamas. Lichtgestaltung: Henri-Emmanuel Doublier. Mit: Lucie Eidenbenz, Karen Lambaek, Lieve De Pourcq, Faris Endris Rahoma, Bahar Temiz und Superamas. Fotos: © Szene Salzburg/Kirchner

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