Obst und Gemüse aus dem Plastikland

ktraintinger300_biggerDer  Seniorchef, der Weissenbacher Willi war in seiner Greißlerei, dem Kaufhaus Grössinger in Anthering zuständig für das Obst und Gemüse. Einige Male in der Woche fuhr er frühmorgens zum Großhändler in die Stadt, um frische Ware einzukaufen.

Von Karl Traintinger  (Text + Fotos)

Er war für die hervorragende Qualität seiner Äpfel, Birnen, Bananen, Weintrauben und was auch immer bis weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt, hatte immer das gerade aktuelle Obst und Gemüse im Angebot. Flugmangos waren damals noch nicht im Handel.

Ging man in das Geschäft hinein, stand er gleich rechts bei seinem kunstvoll hergerichteten Obst- und Gemüsestand, dessen Anblick eine wahre Augenfreude war. Willi bot hier persönlich seine Ware feil, wußte um den Geschmack seiner Kunden. Man suchte  das gewünschte Obst aus, er zeigte es vor dem Verpacken in eine Papiertüte noch einmal von allen Seiten, wog es und stellte die Tüte vorsichtig in den Einkaufswagen. Er konnte es überhaupt nicht leiden, wenn das Obst von den Kunden in die Hand genommen und wieder zurückgelegt wurde. Es war auch eigentlich nicht nötig, wurde doch alles von ihm genau kontrolliert. Paßte etwas zuhause dann doch nicht, was ganz selten vorkam, mußte er es sich beim nächsten Einkauf anhören.

Heute ist alles ganz anders. Der Weißenbacher Willi ist schon lange in Pension und gute 80 Jahre alt, der Familienbetrieb wurde vor langer Zeit zugesperrt. Es gab einige Nachmieter, ein Dorfkrämer war nie dabei. Einzig ganz oben an der Hausvorderseite erinnert die Inschrift “Weißenbacher” an die Geschichte.

In der heutigen Zeit schaut die Welt beim Obstverkauf ganz anders aus. Supermärkte haben die Dorfkrämer verdrängt, das ganze Jahr über muss das verschiedenste Obst und Gemüse im Sortiment sein, irgendwo auf der Welt kann es schon produziert werden. Fachverkäufern in den Geschäften sind Ladner in den Supermärkten gefolgt. Die Waren sind zur Selbstbedienung bereit gestellt und größtenteils in Plastik verpackt. Mit Plastikhandschuhen kann man die Äpfel und Birnen in ein Plastiksackerl zur Gewichtsbestimmung und Auspreisung an der Selbstbedienungswaage geben. Fragen zum Produkt beantworten nur noch die wenig informativen Etiketten.

Nervige Angebote, wie “nimm 3 zahl 2” verleiten zum Kauf von Dingen, die man in dieser Menge meistens gar nicht verbraucht und die dann häufig im Hausmüll entsorgt werden. Das vermeintlich Billige wird so oft sehr teuer und nebenbei wird unser Müllberg immer gößer. Es ist schon klar, früher war auch nicht alles eitel und Wonne. Die heutige Entwicklung ist aber auch nicht das Gelbe vom Ei und unser planloser Billiggüter-Kaufrausch hat oft mit Nachhaltigkeit eher sehr wenig zu tun. Es muss uns klar sein, letztendlich ersticken nicht nur die Meerschildkröten am Plastikmüll.

Weiterführende Infos:

Plastik im Blut – ORF (Newton)TV Beitrag + Plastic Planet (neue österr.Doku) 2009 HIER>
Plastik: Der Fluch der Meere 2013 HIER>

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4 Kommentare zu "Obst und Gemüse aus dem Plastikland"

  1. Pauline Trausnitz auf Facebook:
    Müsste eigentlich heissen: der Grössinger Willi in seiner Greißlerei, dem Kaufhaus Weissenbacher ……. Willi Grössinger hat Hilde Weissenbacher und das gleichnamige Kaufhaus geheiratet 😉
    Ich kann dem Inhalt des Artikels nur voll und ganz zustimmen

  2. Hilda Hammertinger auf Facebook
    Ja,ja, die Gemischtwarenhandlung Weissenbacher hatte was Besonderes. Willi Grössinger verstand es, sein Obst- und Gemüsesortiment an die Frau oder an den Mann zu bringen. Es wäre schön, wenn in den heutigen Lebensmittelgeschäften und Supermärkten kompetentes sowie engagiertes Verkaufspersonal frisches Obst- und Gemüse anbieten würde, sodass der Konsument förmlich vom Duft bzw. angenehmen Duft wie man das von Märkten kennt, angezogen wird. Vielleicht würden sich die Essgewohnheiten von so manchen Menschen positiv verändern, wenn die Sinne mehr aktiviert werden würden. Wie heißt es so schön: “Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen!” Damit es dazu kommt, braucht es das Schmecken, das Riechen, ein gewisses Ambiente,…

  3. Heide-Maria Müller | 28. Juli 2013 um 16:41 |

    Bin ganz deiner Meinung. Im Supermarkt bleibt einem meist gar nichts anderes übrig, als Verpacktes zu nehmen. Kaufe gerne bei den Lieferinger Bauern jeweils am Mittwoch, z.B. Krinner oder Haiml. Die haben sehr viel Auswahl und neben Obst und Gemüse auch Bauernbrot und Grammelschmalz usw. Schmeckt ganz einfach besser und ein kleines Tratscherl ist auch immer drin…..

  4. Gerti Franz | 17. Juni 2016 um 08:11 |

    Mittlerweile ist es so, dass man bei den großen Supermärkten nur mehr einzeln in Plastik verpacktes Obst kaufen kann. Die Menschheit müllt den Planeten immer mehr zu und wundert sich, dass sich das Klima verändert.

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