„Protection“ – drei tragische Liebesversuche

Als Abschlussproduktion des 4. Jahrgangs Schauspiel des Thomas Bernhard Instituts kommt im Theater im KunstQuartier ein Stück der jungen Dramatikerin Anja Hilling zur Aufführung. Drei verstörende Beziehungsgeschichten bieten den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern eine hervorragende Möglichkeit, ihre Talente unter Beweis zu stellen.

Von Elisabeth Pichler

Die Straßenmusikantin Lucy erzählt mit „umwerfendem Lächeln“ von ihrer Krankheit und scheint den „Penner mit Pferdegesicht“, der sie seit 14 Monaten umkreist, nicht zu bemerken. Dieser kennt ihren Zeitplan ganz genau, lauert ihr ständig auf und sucht ihre Nähe. Zart, verletzlich und doch ungeheuer stark wirkt Elisa Plüss als kranke, verzweifelte Lucy. Ihr intensiver Monolog, den sie mit tränenverschleierten Augen hält, erzeugt Gänsehaut. „Verpiss dich, ich muss los“ klingt aus ihrem Mund fast wie eine Liebeserklärung. Ludwig Hohl als ihr trinkfreudiger Verehrer beweist Mut zur Hässlichkeit und ist ihr ein ebenbürtiger Partner.
Das Zusammentreffen zweier junger Männer (Alexander Tröger, Anton Andreew) in einem Schwulenclub steht ebenfalls unter keinem guten Stern, denn Marc weigert sich, seinen früheren Liebhaber Marco wiederzuerkennen. Seit einem Unfall versteckt er seine Beinprothese unter einer weiten Hose. Er glaubt nicht, dass man ihn mit seinem Gebrechen noch lieben könnte. Die unsichere Annäherung der beiden endet mit einem frustrierten „Verpiss dich, mein Wonneproppen“.

In der dritten Episode treffen eine junge Türkin und ein junger Mann, der mit Tulpe und Rock zu einer Mottoparty unterwegs ist, durch Zufall aufeinander. Leon ist schwer beeindruckt von Nazife und folgt ihr nur allzu gerne in ihre Wohnung. Doch die anfangs sanfte junge Frau, wird plötzlich aggressiv und fordernd, denn seit einer Vergewaltigung fühlt sie sich nur mehr als „Riss in der Landschaft“. Vassilissa Reznikoff legt als traumatisierte junge Frau die Kleider ab und schreit sich ihren ganzen Frust von der Seele. Simon Rußig bleibt als Mann mit der Tulpe sprachlos und verstört zurück.

Die Doppelmonologe dreier möglicher Paare wurden von Kai Ohrem vor einer einfachen weißen Wand (Bühne: Maria Moser) in Szene gesetzt. Dies verstärkt die Wirkung der emotionalen Ausbrüche. Es ist immer wieder eine Freude zu erleben, mit wie viel Energie, Begeisterung und natürlich auch Talent die jungen Schauspielschülerinnen und Schauspielerschüler selbst schwierige Stücke meistern. Ein aufwühlender Theaterabend, der einen starken Eindruck hinterlässt.

„Protection“ von Anja Hilling. Regie: Kai Ohrem. Bühne: Maria Moser. Kostüme: Annelies Vanlaere. Mit: Anton Andreew, Ludwig Hohl, Elisa Plüss, Vassilissa Reznikoff, Simon Rußig, Alexander Tröger.

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