„Little Brother“ – politisches Theater für Jugendliche in der ARGEkultur

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Das Theaterstück von Josh Costello basiert auf dem gleichnamigen Bestseller des kanadischen Science-Fiction-Autors Cory Doctorow. ‎Caroline Richards hat die Geschichte von Jugendlichen, die in San Francisco gegen einen totalitären Staat und für die persönliche Freiheit kämpfen, mit viel Musik und Tanz temporeich in Szene gesetzt. Die Premiere fand am 17. Februar 2014 in der ARGEkultur statt.

Von Elisabeth Pichler.

Nach einem Terroranschlag auf die Bay Bridge wird San Francisco zu einem totalen Überwachungsstaat. Marcus Yallow, ein 17-jähriger Schüler, und sein Freund Daryll halten sich zur falschen Zeit am falschen Ort auf und werden von der Heimatschutzbehörde (Department of Homeland Security – kurz DHS) als Verdächtige gefangen genommen, verschleppt und grausam verhört. Marcus wird zwar nach fünf Tagen wieder freigelassen, doch sein Freund bleibt verschollen. Gemeinsam mit seiner Freundin Ange beschließt Marcus, dem DHS den Krieg zu erklären. Er gründet mittels Xnet ein Web of Trust, um der Widerstandsbewegung eine verschlüsselte Kommunikation zu ermöglich.

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„‘1984‘ handelt von der spürbaren Entfremdung, wenn ein totalitärer Staat deine Individualität zerstört. Little Brother handelt von der freudigen Erkenntnis, dass es da draußen Millionen von Gleichgesinnten gibt, mit denen man gemeinsam versuchen kann, die Gesellschaft zu verändern.“ (Cory Doctorow)

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Die Jugendlichen kennen sich mit Computern bestens aus und nutzen ihre Fähigkeiten. Sich ins Schulnetz zu hacken, um Prüfungsfragen zu ermitteln, oder ein verwanztes Buch aus der Bibliothek in der Mikrowelle zu grillen, das sind für sie nur Kleinigkeiten. Sich aber gleich mit dem ganzen Staat anzulegen, dafür bedarf es einer großen Portion Zivilcourage. Valentin „Knuffelbunt“ Alfery überzeugt in der Rolle des Computerfreaks Marcus, der alle Hebel in Bewegung setzt, um seinen besten Freund Daryll wiederzufinden. Nevena Lukic steht ihm als toughe Freundin Ange zur Seite, beweist aber auch enorme Wandlungsfähigkeit. Mit umgehängter Schürze wird sie zur konservativen Mutter, beim Verhör zur „Strenge Frisur-Frau“. Auch der Musiker und Schauspieler Patrick Bongola verblüfft in den unterschiedlichsten Rollen, denn er vermag es, sowohl den ungestümen Jugendlichen als auch den alten Vater zu verkörpern.

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Caroline Richards hat das Stück wie ein schnelles Computerspiel, mit Videoeinblendungen, Breakdance-Einlagen und wilder Musik in Szene gesetzt. Bemalte Würfel, die ständig umgeschichtet werden, ersetzen Stühle, Tische und Sofas. Ein hochaktuelles Stück, das zum Nachdenken anregt, bestens geeignet für ein junges Publikum.

„Little Brother“ nach dem Roman von Cory Doctorow. Regie: Caroline Richards. Bühne & Kostüme: Ragna Heiny. Mit: Nevena Lukic, Valentin „Knuffelbunt“ Alfery, Patrick Bongola. Fotos: ARGEkultur/ Johannes Amersdorfer

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