Verliebtheits-Durcheinander im Landestheater: „Die Hochzeit des Figaro“ feiert Premiere

Susanna (Karolina Plicková) und Basilio (Franz Supper) Foto: Christian Schneider
Susanna (Karolina Plicková) und Basilio (Franz Supper) Foto: Christian Schneider

Susanna (Karolina Plicková) und Basilio (Franz Supper) Foto: Christian Schneider/ Landestheater

Ingrid Kreiter. Andauernder Beifall und Bravo-Zwischenrufe: Die Inszenierung von Mozarts „Hochzeit des Figaro“ im Landestheater Salzburg kam beim Premierenpublikum sehr gut an. Dabei hatte die Aufführung schon im Vorfeld für Aufregung gesorgt. Drei Tage vor der Premiere wurde Regisseur Christian Sedelmayer wegen „unüberbrückbarer künstlerischer Differenzen“ durch den erst 26-jährigen Rudolf Frey ersetzt.

Graf Almaviva (Simon Schnorr) Foto: Christian Schneider

Graf Almaviva (Simon Schnorr) Foto: Christian Schneider/ Landestheater

Von diesen personellen Schwierigkeiten merkte man während der Aufführung wenig: Dreieinhalb Stunden lang sorgte das wunderbar aufeinander eingestimmte Ensemble für einen gelungenen musikalischen Abend. Die einzelnen Rollen waren genau richtig besetzt worden, Karolína Plicková als sympathische, ehrliche und nicht zuletzt erotische Susanna überzeugte bei der Premiere ebenso wie Simon Schnorr in der sehr vielfältigen Rolle des Grafen Almaviva. Hubert Wild wirkte als Figaro zunächst etwas befangen, steigerte sich dann aber kontinuierlich, und bewies nach der Pause sein komödiantisches Talent. Für seine Darbietung der Arie „Aprite un po’ quegl’ occhi“ erntete Wild im 4. Akt ausgiebigen Applaus.

Die amerikanische Sopranistin Julianne Borg verlieh der Gräfin eine kräftige Stimme, mit der sie ausdrucksstark die Untreue ihres Gatten beklagt. Die Gunst der Zuschauerinnen und Zuschauer war ihr spätestens nach der gefühlvollen Interpretation von „Dove sono i bei momenti“ sicher.
In der Hosenrolle des Cherubimo trat Linda Sommerhage auf: Ihre sehr schöne Stimme birgt viel Potenzial, der Cherubimo wirkte allerdings eindimensional. Ein bisschen mehr pfiffiges Schlitzohr und etwas weniger kindliche Naivität hätten dem jugendlichen Frauenheld gut getan.
Merit Ostermann (Marcellina), Franz Supper (Basilio), William S. Hackett (Antonio) und die junge Salzburgerin Sophie Mitterhuber (Barbarina) boten allesamt eine überzeugende musikalische Leistung. Lobend hervor zu heben ist auch der sichere Umgang mit der italienischen Sprache, die von allen Sängerinnen und Sängern wortdeutlich und gut artikuliert wurde.

Susanna l Karolina Plicková, Cherubino l Linda Sommerhage, Graf Almaviva l Simon Schnorr, und Basilio l Franz Supper

Susanna (Karolina Plicková), Cherubino (Linda Sommerhage), Graf Almaviva (Simon Schnorr) und Basilio (Franz Supper). Foto: Christian Schneider/ Landestheater

Star des Abends war allerdings Leo Hussain: Der britische Dirigent leitete sowohl die Sängerinnen und Sänger als auch das Mozartorchester bravourös durch den Abend. Spritzig und facettenreich entlockten die Musiker ihren Instrumenten kaum geahnte Klangfarben und auch die Tempi beherrscht Hussain souverän.

Die Szenerie wirkte fast zu brav und ästhetisch, das in Blau gehaltene Bühnenbild mit aufgemalten Bäumen und das große, während der gesamten Vorstellung auf der Bühne stehende Himmelbett sehr konventionell. In der vierten Szene hingegen war Frey laut Aussage des Landestheaters kaum von der ursprünglichen Inszenierung Sedelmayers abgewichen: Ein grün beleuchtetes Netz dient als Projektionsfläche für die Schatten der Sängerinnen und Sänger. In diesem Schattentheater konnten sich vor allem die weiblichen Ensemblemitglieder entfalten, die zum Lockgesang der Susanna für erotische Augenblicke im Opernsaal sorgten.

Fazit: Eine gelungene Feuerprobe für das neue Sänger-Ensemble, ein berauschender Auftakt für den neuen Musikdirektor Leo Hussain und eine in jeder Hinsicht aufregender Premiere für die Intendanz Carl Philip Maldeghems.

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