„Bikini“ – Tommy heißt das Objekt der Begierde

Conny, Cindy und Sandy langweilen sich in den Sommerferien im Schwimmbad. Die junge Schweizer Dramatikerin Tina Müller, Jahrgang 1980, kennt die Sprache junger Mädchen von heute und zeigt mit durchaus ernsten Zwischentönen ein sicheres Gespür für deren Lebenswelten. Die Premiere fand in den Kammerspielen am 13. März 2014 statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

„Nicht vom Beckenrand springen!“ mahnt im Freibad ständig der Bademeister aus den Lautsprechern. Für so harmlose Scherze fühlen sich die drei Grazien auf ihren Badetüchern schon viel zu erwachsen. Interessanter ist da schon der hübsche Tommy, der am 10-Meter- Brett steht. Sollen sie ihn nun ansprechen, oder nicht? Wer von den Dreien wird die Mutigste sein? Die schöne Cindy, amtierende Miss Bikini, und ihre beste Freundin Conny laufen um die Wette. Sandy hingegen versucht es erst gar nicht, gegen die beiden selbstbewussten Mädchen hat sie keine Chance. Was hat eigentlich Cindys Vater ständig im Freibad zu suchen? Er sitzt doch nur herum und glotzt. Ist er wirklich der weltbekannte Profifotograf, der gerne junge Damen ablichtet, wie seine Tochter behauptet? Die Mädels sind große Fans von Heidi Klums Sendung „Germany’s Next Topmodel“ und stolzieren und posen ständig um die Wette. Der Sommer läuft aber nicht nur harmonisch ab, denn die beiden auf Äußerlichkeiten fixierten Zicken Cindy und Conny lassen Sandy, die eigentlich viel lieber UNO spielen würde, statt ständig auf Männerjagd zu gehen, bald schon alleine auf der Wiese zurück.

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Ein angedeuteter Schwimmbadrand und eine grün ausgekleidete Bühne vermitteln ein hochsommerliches Ambiente. Davor räkeln sich die drei ständig auf ihren Smartphones herumklopfenden Freundinnen. Anna Maria Rieser gibt sich in der Rolle der unwiderstehlich schönen Cindy selbstbewusst. Doch nagen auch an ihr Selbstzweifeln, ein Pickel am Rücken wäre für sie schon ein Grund, sich krankzumelden. Diana Maria Müller eifert als Conny ihrer Freundin stets nach, lässt sich ebenfalls nackt fotografieren, auch wenn sie weiß, dass das nicht ganz in Ordnung ist. Mit beeindruckend trotziger Miene spielt Claudia Kainberger das unverstandene Mauerblümchen Sandy. Eines haben die drei „allerbesten Freundinnen“ gemeinsam, sie wissen genau, wie sie sich gegenseitig verletzen können.

Astrid Großgasteiger hat diesen Zickenkrieg flott und mit viel Ironie in Szene gesetzt. Die drei jungen Damen, Ensemblemitglied Diana Marie Müller und die beiden jungen Gastschauspielerinnen Anna Maria Rieser vom Thomas Bernhard Institut der Universität Mozarteum Salzburg und Claudia Kainberger von der Kunstuniversität Graz, überzeugen als pubertierend Badenixen. 65 unterhaltsame, doch auch nachdenklich stimmende Theaterminuten für ein Publikum ab 14 Jahren.

„Bikini“ von Tina Müller. Inszenierung: Astrid Großgasteiger. Bühne und Kostüme: Eva Musil. Dramaturgie: Friederike Bernau. Mit: Diana Marie Müller, Anna Maria Rieser, Claudia Kainberger. Fotos: © Christina Canaval

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Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
Geb. 1946 in Salzburg,1964 Matura im Realgymnasium. Abiturientenlehrgang HAK. 2000 Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin und seither in der öffentlichen Bibliothek Hallwang tätig. “Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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