Benefiz

Foto: Eva Maria Griese

Elisabeth Pichler. Am 20. September 2009 hatte im Studio die Komödie „Benefiz – jeder rettet einen Afrikaner“ von Ingrid Lausund Premiere. Das Schauspielhaus Salzburg zeigt das Stück als österreichische Erstaufführung in Koproduktion mit dem „Theater an der Effingerstraße“, Bern. In einer bitterbösen Satire proben fünf Schauspieler eine Wohltätigkeitsveranstaltung für ein afrikanisches Schulprojekt.

Foto: Clemens Kois

Foto: Clemens Kois

Die Prominenz hat leider abgesagt. Harald Schmidt, zwar menschlich sehr nett, aber eben doch abgesagt, genauso wie Uschi Glas, Helga Rabl-Stadler und Marc Janko.

Da kommt von Rainer (Georg Reiter) die Idee, doch eine bekannte Afrikanerin – eigentlich ist sie ja Österreicherin – einzuladen, das wäre doch irgendwie passend, es ginge ja schließlich um eine Schule in Afrika. Ein Sturm der Entrüstung schlägt ihm entgegen. Sämtliche Klischees über „Schwarze“ werden da bemüht: „Du machst aus einem Menschen eine Abenddekoration“ oder „Sollen wir sie im Baströckchen singen lassen?“.

Nachdem man sich geeinigt hat, die Veranstaltung alleine durchzuziehen, kann die eigentliche Probe beginnen, man ist ja schließlich voll motiviert und gründlich vorbereitet. Doch bald stellt sich heraus, dass es sich hier um sehr unterschiedliche Charaktere handelt und Toleranz nicht gerade ihre Stärke ist. So werden die Ideen der anderen grundsätzlich niedergemacht, jeder versucht sich selbst in den Vordergrund zu spielen.

Die Begrüßung wird von Leo (Antony Connor) vorgenommen. Doch er hat noch gar nicht richtig angefangen, da wird er schon unterbrochen, denn alle sind sich einig, dass seine Animationsnummer Bierzelt-Atmosphäre erzeugt. Gutmütig wie er ist, beschränkt er sich nun auf ein paar Begrüßungsworte. Die Frauen drängen sich immer mehr in den Vordergrund. Während Eva (Constanze Passin), die jüngste und emotionalste, grundsätzlich alles „ganz schlimm“ findet, will die etwas prominente Christine (Ute Hamm) eine lange Rede über Solidarität halten, der Text ist zwar grandios, aber leider nicht von ihr.

Dann startet jeder seinen persönlichen Spendenaufruf. Georg Reiter glänzt in der Rolle des Rainer. Dieser ist nicht nur ein schlechter Redner, sondern auch schlecht vorbereitet und so wird aus der Vorstellung von Guinea-Bissau (liegt es jetzt an der Küste Westafrikas oder doch in Ostafrika?) und all den Problemen, mit denen dieses Land zu kämpfen hat, eine komödiantische Glanznummer, für die es bei der Premiere sogar Szenenapplaus gab.

Olaf Salzer als Eckhard fühlt sich als Prediger. Salbungsvoll trägt er Bibelzitate vor. Doch als er in Wut gerät, wird seine Rede authentisch, da ist nichts einstudiert, da passt einfach alles. Plötzlich sind alle ergriffen, nicht nur das Publikum auch seine Mitspieler. Denn wer von uns hat nicht 1000 Euro zu Hause, die er nicht wirklich braucht, und für welchen Unsinn gibt man nicht oft 10 Euro aus, die könnte man doch heute spenden.

Die aufgestellte Spendenbox wurde leider von den meisten ignoriert, denn man war sich dann nicht sicher, ob sie nicht doch zur Dekoration gehört. Der Autorin war es jedoch ein Anliegen, dieses Stück immer mit einem echten Projekt zu verknüpfen:

 

Foto: Eva Maria Griese

„Benefiz ist ein Theaterstück, das an ein reales Projekt in Afrika gekoppelt ist. Davon sollen beide Projekte profitieren. Das Theaterstück, weil sich grundsätzliche Fragen nach Haltung und Selbstverständnis von Theater durch die Anwesenheit des realen Projektes verschärfen: das reale Projekt profitiert hoffentlich von dem Theaterabend in konkreter Münze.“

Es war ein vergnüglicher Abend, der auch zum Nachdenken anregte. Ingrid Lausunds Humor ist rabenschwarz und demaskierend. Alexander Kratzer hat dieses Stück mit großartigen Schauspielern umgesetzt, der Applaus war dementsprechend herzlich.

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