Annabell Brand: Sonderangebot 377,22€

Semesterbeginn an der Universität Salzburg. Hier, wie auch in allen anderen Landeshauptstädten wird er von einer Zahl geprägt: 377,22€ (5190,66 ATS), das ist der Preis, den jeder Student seit diesem Semester für vier Monate Studium zahlen muss.

Annabell BrandVon Annabell Brand

Wie wird es nun aussehen in einem Salzburg, einem Österreich mit Studiengebühren? Noch vor einem Jahr konnte es sich keiner vorstellen. Auch jetzt will es so manch einer nicht glauben. Zwei Visionen, wie sich 377,22€ auf eine Stadt, ein Land auswirken können.

Vision 1: Himmel …

Alle österreichischen Universitäten sind endlich befreit von Schmarotzern und Schein – Inskribierten. Es studieren nur mehr jene, die auch wirklich etwas erreichen wollen und denen es ernst ist mit dem Studium. Es gibt immer genug Platz in den Lehrveranstaltungen für alle, dadurch steigt auch die Qualität der Lehre und Österreich wird auf einmal zu einem Land voller gefragter Absolventen, um die sich die globale Wirtschaft nur so reißt. Denn, wer es sich jetzt noch leisten kann, zu studieren, dem muss es wirklich ernst sein. So war es auch gedacht, oder?

In Salzburg ist endlich das Geld für eine medizinische Fakultät da. Das Prestige steigt. Die Institute werden modernisiert und moderne Technik eingesetzt.

Die Qualität der Lehre erreicht einen nie da gewesenen Standard. Salzburg wird zu einer Metropole für Wissenschaft und Forschung und besitzt global ein enormes Prestige. Die Universität erlangt größere Bekanntheit als die Festspiele.

Österreichs Stellenwert in der Welt erlebt plötzlich einen massiven Aufwärtsschub. Alle sind zufrieden. Mit dem immensen Wirtschaftswachstum können alle Schulden bezahlt werden, das Budget ist enorm im Plus.

Die Armut in Österreich besiegt?

Vision 2: … Hölle

Zu den Universitäten hat nur mehr die Oberschicht, die “Reichen“, Zutritt, weil es sich sonst niemand mehr leisten kann. Professoren umschmeicheln ihre Studenten, auf dass es genügend Inskriptionen gibt, um ihr Gehalt zu sichern.

Salzburgs Universität bekommt den Ruf einer versnobten Gemeinschaft von reichen Scheinstudenten, die ihre Titel an den Meistbietenden verkauft. Zahlreiche Institute müssen geschlossen werden aufgrund von niedrigen Inskriptionszahlen. Salzburg kann den Universitätsbetrieb kaum aufrechterhalten.

Die Anzahl von Akademikern in ganz Österreich sinkt drastisch. Die Wirtschaft liegt am Boden, überall im Land herrscht ein Mangel an Ärzten, Lehrern, Juristen, Wissenschaftlern, Forschern, Journalisten, Psychologen, Biologen, Mathematikern, Informatikern, Sprachspezialisten, Diplomaten, Dolmetschern und vielem mehr.

Das Justizministerium muss geschlossen werden aus Mangel an Juristen. Das Bildungsministerium vergibt die wenigen Schulplätze, die es aufgrund des Lehrermangels gibt, willkürlich ’beziehung’sweise nach ’anderen’ Auswahlkriterien. Nur mehr zwei Drittel aller Kinder, Zahl sinkend, bekommen die Möglichkeit einer Schulausbildung. Die Folge – noch weniger Studenten, noch weniger Lehrer, die Spiral dreht sich endlos nach unten. Die Preise der Dienste derer, die sich eine Hochschulausbildung leisten konnten, steigen ins Unermessliche, einen Arzt kann sich nur mehr leisten, wer Beziehungen oder sehr, sehr viel Geld hat. Ein Bett im Krankenhaus kostet soviel wie ein Haus. Das Land wird in seiner wirtschaftlichen Entwicklung plötzlich um 50 Jahre zurückgeschlagen.
Unbezahlbare Zukunft?

 

Zum Nachdenken

Natürlich wird weder das eine noch das andere eintreffen, doch scheint’s, als wär die Sache nicht so sorgfältig überlegt worden, wie es vielleicht notwendig gewesen wäre. So sollte dies vielleicht noch mal zum Nachdenken anregen für Gegner und Befürworter.

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