Schöne Aussichten – TOIHAUS Salzburg

Foto: TOIHAUS Salzburg
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Elisabeth Pichler. Entspannung nach einem anstrengenden Arbeitstag verspricht das Toihaus in einer „Afterhour“ mit Theater, Tanz und Gesang unter dem Titel „Schöne Aussichten!“.Das Team aus Tänzern, Schauspielern und Musikern feierte am 2.Oktober 2009 mit einem neuen, gemeinsam erarbeiteten Stück Premiere.

„Habe nichts mehr außer mich! Brauche reiche Frau (Liebe nicht ausgeschlossen)“
„Warum lügen, brauche Geld für Porsche“
„Biete Aktien gegen Wurstsemmel“

Mit diesen aussagekräftigen Sprüchen versuchen leidgeprüfte Banker, ihre Lage zu verbessern. Im Foyer stehen diese Plakate auf weißen Schaffellen, daneben Hüte und die „Financial Times“, die von besseren Zeiten zeugt.

Foto: TOIHAUS Salzburg

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Den Theatersaal beherrscht ein riesiger Laufsteg, an dem die Schauspieler sitzen, eine Banane mit sichtlichem Genuss verzehren und mit einem geschminkten Auge neugierig das Publikum bestaunen. Die Stühle sind im ganzen Raum verteilt, diesmal sitzt jeder garantiert in der 1. Reihe. Wo ist man da gelandet, in einem Varieté oder in einem Zirkus? Klar wird schon bald, dass auch das Publikum miteinbezogen wird, man kann den Scheinwerfern nicht entkommen.

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Auf einem Monitor laufen Nachrichten, wie üblich kaum positive Meldungen. Da betritt Pascale Staudenbauer den Laufsteg und jammert: „Ich heiße Lola, habe keinen Führerschein, kein Auto, keine Wohnung, keine Katze, kein Bett und keinen Job“. Wir sind also mitten in der Wirtschaftskrise gelandet. Aber so ernst die Lage auch ist, unser Kapital steigt: Liebe, Solidarität, Freude und Zufriedenheit sind plötzlich wichtig geworden. Denn „Money, Money makes the world go round“, doch nicht immer glücklich. Diese neuen Werte versuchen nun die Schauspieler und Tänzer, dem Publikum nahezubringen.

Grandios Felipe Salazar, der mit Pascale Staudenbauer einen wunderbaren Tanz am Rande des Abgrunds zelebriert, eine fast traumhafte Sequenz, einfühlsam begleitet auf dem Violoncello von Herbert Pascher. Für den passenden elektronischen Sound sorgt auf perfekte Weise Hüseyín Evirgen, denn wenn das Thema zu ernst wird (Aufzählung der Arbeitslosen in aller Welt, Pleite gegangener Fluglinien, Hunger leidender Kinder etc.), gibt es immer wieder unterhaltende Showelemente zur Auflockerung. Yoko Yagihara ergänzt die musikalischen Einlagen auf der Klarinette und am Klavier. Sie sorgt aber auch dafür, dass Japan und der Yen nicht zu kurz kommen. Susanne Lipinski versucht auf überzeugend forsche Weise, Geld für ihr „Projekt“, das ganz sicherlich einem guten Zweck gewidmet ist, aufzutreiben. Markus Huber kann sich mit seinem nervigen Witz über Banker nicht durchsetzen.

Eine Stunde, in der viel geboten wird, ein vergnüglicher, abwechslungsreicher Abend mit Humor, Poesie und Witz, der aber auch nachdenklich stimmt. Am Ende weiß man auch, was die Bananen zu bedeuten hatten, denn neben Konfetti fallen plötzlich auch Plastikbananen vom Himmel und der Abend endet mit der Frage: „Ist alles nur Fake?“

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