Du kannst das Risiko des Lebens nicht minimieren.

Andreas FRIESS / picturedesk

Andreas FRIESS / picturedesk

Theater Drachengasse Wien. Foto: Andreas FRIESS / picturedesk

Nina Groß(Wien).  Noch 49 Schritte zum Theater Drachengasse. Die Gasse liegt eng da. An ihrem Ende drängen sich Menschen um einen Stufenaufgang. Es wird geredet, gespannt gewartet. Lachen und das Klappern von Frauenschuhen hallen von den Mauern wider. „Dörfer Premiere“ am 5. 10. 2009. Die österreichische Erstaufführung des Stückes von Volker Schmidt im Theater Drachengasse. 20:00. Es ist nicht kühl, es riecht nach Herbst.

„Dörfer“ ist eine Reise. Eine Reise durch das niederösterreichische Hügelland, vorbei an den Stationen einer Ehe, den Entscheidungen und Fehler eines Lebens. Eine Reise geprägt von Sightseeing. Besichtigt werden die Schöhnheitsfehler der Gesellschaft.

Theater Drachengasse Wien. Foto: Andreas FRIESS / picturedesk

Theater Drachengasse Wien. Foto: Andreas FRIESS / picturedesk

Johannes (Christian Strasser) , vom Beruf Fondsmanager, im echten Leben Denker, holt Lisa (Sonia Romei), einen Strich in der Landschaft, Journalistin und einsame Fashionista von ihrer Redaktion zu einem Überraschungskurzurlaub ab. Lisa hofft auf eine interessante Stadt, ein romantisches Wellnessurlaub oder eine neue Sportart, doch: Johannes fährt seine Lisa duch niederösterreichische Dörfer mit den seltsamsten Namen, den ausgestorbendsten Marktplätzen und einsamsten Pensionen. Lisa versteht nicht und vermutet hinter all dem einen Plan. Johannes erklärt: Diese Reise sei eine Flucht, eine Flucht vor den „Bildern“ die ihn quälen. Die Gesellschaft, sagt Johannes, bestehe nur mehr aus Bildern. Jede Frau sei ein Abziehbild dessen, was sie gerne sein möchte und darstellen will.

Theater Drachengasse Wien. Foto: Andreas FRIESS / picturedesk

Theater Drachengasse Wien. Foto: Andreas FRIESS / picturedesk

Strasser und Romei schälen die Figuren aus ihren Oberflächigkeiten, machen Charaktere daraus. Sie spielen kantig, ambivalent, bunt. Sie füllen den Raum, das Haus, die Gasse mit ihrer schauspielerischen Kraft. Mit Wut, Lust, Langeweile, Frust, Entsetzen. Sie wechseln rasch zwischen ernsten und humorvollen Szenen, zwischen Blicken in das Innere der Protagonisten und den Dialog miteinander. Dadurch bleibt der Zuseher konzentriert gespannt und sehr nah am Geschehen. Die Szenen der Harmonie, der Idylle, des vollkommenen Verständnisses füreinander sind im Vergleich zu den „heißen“ Konfliktszenen dünnhäutig und fahl.

Volker Schmidts Stück ist kurzweilig. Kaum hat man Platz genommen und das Bühnenbild ( ein spartanisch eingerichtetes Pensionszimmer – mit Videosequenzen immer wieder in ein anderes Licht gerückt) betrachtet, schon steht man schon wieder in der engen Gasse. Lachen und Gespräche hallen von den Mauern wider.

image_pdfimage_print

Kommentar hinterlassen zu "Du kannst das Risiko des Lebens nicht minimieren."

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*