Wie ich einmal bei den Salzburger Festspielen war

Ecker_Wolfgang

Es ist vielleicht so zehn Jahre aus, da hab ich eine Einladung zu den Salzburger Festspielen bekommen. Zwölftonmusik, bekannte Sachen und auch eine Welturaufführung. Und das alles mit mir in der ersten Reihe, in der Mitte. Ich hab’s nicht selber bezahlen müssen, weil es eine Einladung war, mit Hotel und allem Drum und Dran.

Ecker_Wolfgang_01Eine Satire von Wolfgang Ecker

Ich hab’s ja mit der Zwölftonmusik nicht gar so, oder ehrlich gesagt, ich versteh so gut wie gar nichts davon. Aber ich wollte mir das Ereignis doch nicht entgehen lassen, darum hab ich die Zwölftonmusik in kauf genommen, ich wollte einfach auch einmal die ganze Elite Europas sehen, die Botschafter, die Staatschefs, die Haute Voilè, die Reichen und die Superreichen.

Die erste Reihe war natürlich noch einmal um eine Zehnerpotenz teurer als die billigen Plätze hinten, aber wenn man Kultur richtig geniessen will, dann darf man nicht sparen. Ich bin also da in der Mitte gesessen, neben mir ein Botschafter und auf der anderen Seite sicher der Regierungschef eines afrikanischen Lands, jedenfalls war der kohlrabenschwarz, seine Frau übrigens auch.

So hab ich also die Zwölftonmusik über mich ergehen lassen und hab eher die Menschen beobachtet. Ich hab’s aber dann nicht mehr ausgehalten, all die verklärten Gesichter. Ich hab lachen müssen. Sowas gehört sich aber nicht, schon gar nicht wenn ein Botschafter neben einem sitzt. Da hab ich mir das Lachen verhalten, aber das ist nicht so einfach. Ich hab den Mund zusammen gepresst und hab ein frommes Gesicht gemacht. Mit dem Gesicht hat’s halbwegs funktioniert, aber mein Körper hat nicht mitgespielt. Den hat’s geschüttelt. Richtig geschüttelt, dass das ganze Gestühl der ersten Reihe auch gewackelt hat, und die Zuseher in der ersten Reihe haben das sicher gespürt. Dass die aber auch keine ordentlichen Stühle haben, wo doch das eh so viel Geld kostet, ich versteh das nicht, die müssen doch damit rechnen, dass da manchmal einer dabei ist, den es reisst vor Lachen wenn die ihre Zwölftonmusik spielen.

Nach der Vorstellung, bin ich an der Bar zufällig mit dem Botschafter zusammen getroffen. Wir haben ein Glas Sekt getrunken, und haben die politische Lage im Nahen Osten diskutiert. Es war ein sehr interessantes Gespräch und wie informiert der war, ein profunder Gesprächspartner.

Nachher hat er mir gesagt, dass er es auch nicht gar so hat mit der Zwölftonmusik, er aber natürlich die gesellschaftlichen Verpflichtungen einhalten muss. Naja, hab ich mir gedacht, ist auch nicht leicht ein Botschafter zu sein, ich möchte es nicht sein.

Beim dritten Glas Sekt hab ich ihn dann gefragt woher er ist. Er war aus Leoben in der Steiermark. Und Botschafter eigentlich auch nicht. Er war Gemüsehändler.

Und entschuldigt hat er sich bei mir. Er hätt so lachen müssen während der Vorstellung, dass das ganze Gestühl gewackelt hat und ob ich das eh nicht bemerkt hätte.

So eine Frechheit. Was heutzutage schon alles zu den Salzburger Festspielen darf.

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