„Das Herz eines Boxers“ – Dialog zwischen den Generationen

Am 1. Oktober 2014 fand in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters die Premiere des preisgekrönten Jugendstücks des deutschen Autors und Regisseurs Lutz Hübner statt. Zwischen Leo, einem ehemaligen Boxer, und Jojo, einem frustrierten 16-Jährigen, entwickelt sich im Lauf des Stücks eine ganz spezielle Freundschaft.

elipi_a

Von Elisabeth Pichler

Jojo wurde beim Diebstahl eines Rollers erwischt und muss jetzt in einem Altenheim Sozialstunden ableisten. Während der senile Rentner in seinem Rollstuhl vor sich hindämmert, reagiert Jojo seinen Frust ab. Er spricht von „Rentnerknast“ und will keine dummen Rentnersprüche hören. „Ich streich dir die Bude und du versuchst einfach, mir nicht im Weg herumzustehen.“

___STEADY_PAYWALL___

Am zweiten Tag hat Jojo noch schlechtere Laune. Er gesteht dem immer noch schweigsamen Rentner, dass er den Diebstahl nur auf sich genommen hat, um seinen Kumpel vor dem Gefängnis zu bewahren. Von Dankbarkeit jedoch keine Spur, jetzt fühlt er sich als „der letzte Depp der Gang“. Da erwacht der Rentner aus seiner Lethargie und stellt mit fester Stimme bewundernd fest: „Du hast ja richtig Charakter.“ Er gibt zu, dass er den Schlaganfall nur vorgetäuscht hat, um endlich in Ruhe gelassen zu werden.

boxer_01

Als Jojo entdeckt, dass Leo einst als „Roter Leo“ große Erfolge als Boxer gefeiert hat, zeigt er sich schwer beeindruckt. Er lässt sich Boxschritte und Schläge zeigen, während Leo ihm die Philosophie des Boxens näherbringt und ihn lehrt, mit seinen Aggressionen vernünftig umzugehen. Schließlich helfen sie einander bei der Realisierung ihrer Wünsche und Sehnsüchte. Leo will nach Südfrankreich verschwinden und Jojo ein junges Mädchen für sich erobern.

Werner Friedl genießt es offensichtlich, Jojo als alter seniler Rentner hinters Licht zu führen, Altersbosheit funkelt in seinen Augen. Tim Oberließen überzeugt als jugendlicher Jojo, der mit seinem Leben ebenso unzufrieden ist wie der einst gefeierte Boxer. Das wie ein Boxkampf in sieben Runden bzw. Szenen unterteilte Stück, in dem am Ende zwei Sieger im Ring bzw. auf der Bühne stehen, wurde von Cornelius Gohlke in Szene gesetzt. 70 unterhaltsame, aber auch lehrreiche Minuten, geeignet für Jugendliche ab 12 Jahren.

„Das Herz eines Boxers“ von Lutz Hübner. Inszenierung: Cornelius Gohlke. Ausstattung: Katja Schindowski. Dramaturgie: Angela Beyerlein. Mit: Werner Friedl und Tim Oberließen. Fotos: © Christina Canaval

image_pdfimage_print

Dorfladen

Kommentar hinterlassen zu "„Das Herz eines Boxers“ – Dialog zwischen den Generationen"

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.